Diese Ausgabe der "Wechselwirkung" widmet sich dem Schwerpunkt Schuldenkrise und Umweltzerstörung. Der Zusammenhang zwischen dem ökonomischen Druck und den ökologischen Folgen wird erörtert und es wird gezeigt, daß der "Internationale Währungsfonds" (IWF) und die Weltbank sich dem Problem Umweltschutz in Entwicklungsländern nicht mehr länger entziehen. In der Weltbank und unter Umweltschützern werden seit kurzem Konzepte ersonnen bzw. erprobt, die Schulden gegen geeignete Umweltschutzmaßnahmen "einzutauschen". Kronzeugen für und gegen diese Form von Umschuldung sind Barbara J. Bramble von der "National Wildlife Federation" und Stein Hansen, Berater im Environment Department der Weltbank.

Private Umweltschutzorganisationen haben aus Sorge um den Erhalt der tropischen Regenwälder versprochen, den Schuldnern einen Teil ihrer Last abzunehmen, "wenn diese im Gegenzug dafür gefährdete Regionen unter Naturschutz stellen". Die Organisation „Conservation International" (CI) hat im letzten Jahr einen von Bolivien nicht rückzahlbaren Kredit gekauft, um ihn "im Gegenzug für die Erhaltung eines Naturschutzgebietes anzubieten". Grund dafür war nicht zuletzt die Einsicht in die Unmittelbarkeit der Verknüpfung von Umwelt- und Schuldenkrise, weil natürlich Ressourcen für jede wirtschaftliche Entwicklung unabdingbar sind.

Hansen sieht hingegen keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Umwelt- und Schuldenkrise. Zwar gibt' es seit der Amtszeit Barber Conables als Weltbankpräsident eine Umweltabteilung, doch steht der Umweltschutz immer noch unter dem Motto "Nachdenken ja - Mitmachen nein". Wenn jedoch die Weltbank ihre angestrebte Rolle zur Steuerung der Weltwirtschaft ernst nimmt, müßte sie "ökologische Maßnahmen zum Erhalt der natürlichen Ressourcen der Entwicklungsländer befürworten". Den verbalen Versprechungen sollten demnach bald auch Taten folgen.

Ostermann, Ralph: Lassen sich Schulden gegen Bäume eintauschen? Schuldenübernahme für Naturschutz. In: Weichselwirkung. 1988, Nr.38, S.21-25