"Die Marktwirtschaft wäre ein ideales Wirtschaftssystem, wenn sie nicht zwei lebensbedrohliche Geburtsfehler hätte. Seit ihrer Geburt ist sie völlig naturblind und teilweise sozial taub." (S. 136) Diese mittlerweile von mehreren Ökonomen geteilte Auffassung ist zugleich Ausgangspunkt und Lösungsansatz der vorliegenden Abhandlung. Der Berliner Umweltökonom Jürgen Hopfmann beschreibt anhand des Entropiegesetzes den gegenwärtigen Wirtschaftskurs als gefährliches "Spiel mit dem Feuer".

Er schildert die weltweiten ökologischen Degradationserscheinungen sowie die Folgen ökologischer und sozialer Fehlsteuerung: "Was der Staat durch die Umweltpolitik mühselig aufbaut reißt er durch die künstliche Stützung billiger Energie und Rohstoffe großflächig wieder ein." (S. 85) Ganz in ökonomischer Sicht rechnet der Autor auch die Folgekosten gegenwärtiger Unterlassungen vor: "Die Industriegesellschaft spart heute eine Mark, um in der Mitte des nächsten Jahrhunderts etwa 100 Mark dafür auszugeben, daß sie weiterleben darf." (S. 146) In der konsequenten Verteuerung aller Prozesse, in denen gebundene Energie freigesetzt wird, mittels Energiesteuern und modifizierter Mehrwertsteuern sieht der Lehrstuhlinhaber für eine Ökosoziale Marktwirtschaft den Schlüssel für den Weg in die "solare Informationsgesellschaft", deren erste Ansätze in einem eigenen Kapitel beschrieben werden. (Viele der mittlerweile 1.000 im "International Network for Environmental Management" zusammengeschlossenen Unternehmen aus über 30 Ländern gehören den "Winnerindustries" der solaren Revolution an.)

Der Handel auf dem Weltmarkt würde sich, so Hopfmann, durch die ökologische Umsteuerung "nicht mehr auf naturverschleißende Billigprodukte konzentrieren, sondern auf Ideen und Lizenzen" (S. 212). In der Festlegung von Pro-Kopf-Emissionszielen, dem Handel von Emissionszertifkaten und der Einführung eines "Weltenergiefonds", dessen Einnahmen aufkommensneutral pro Kopf der WeItbevölkerung rückverteilt würden, sieht der "grüne" Ökonom Instrumente, den Entwicklungsländern nachholende Industrialisierung auf intelligentem Niveau zu ermöglichen.

Co-Autor Georg Winter, Begründer der grünen Unternehmensinitiative BA.UM., zieht im abschließenden Kapitel Bilanz über 25 Jahre Umweltschutz und unterstreicht die aus seiner Sicht notwendigen Instrumente des Kurswechsels: ökologische Steuerreform, Entlastung von Arbeit und Kapital, Fokussierung auf Schlüsseltechnologien, Verbreitung und Kooperation umweltorientierter Unternehmen .

Der vorliegende Band faßt anderenorts unterbreitete Diagnosen und Therapievorschläge in ein Gesamtkonzept ökosozialer Umsteuerung. Gerichtet an Politik und Wirtschaft gleichermaßen, ist ihm entsprechendes Gehör zu wünschen. Die vielen im Band beschriebenen Positivansätze einschließlich der weltweit existierenden grünen Unternehmenszusammenschlüsse mögen als besondere Anregung dienen. H. H.

Chancen, Wege und Widerstände einer ökologischen Steuerreform werden umfassend und verständlich beschrieben in dem von deutschen Umweltverbänden herausgegebenen Band: Krebs, Carsten; Reiche, Danyel T; Rocholl, Martin: Die ökologische Steuerreform. Was sie ist Wie sie funktioniert Was sie bringt Berlin (u. a.): Birkhäuser. 1998. 220 S., DM 19,80/ sFr 19,80/ öS 145

Hopfmann, Jürgen; Winter. Georg: Zukunftsstandort Deutschland. Das Programm der umweltbewußten Unternehmer. München: Droemer Knaur. 1997. 367 S., DM 39,80/ sFr 39,80 / öS 310,50