Kaum eine wissenschaftliche Theorie der letzten Jahre hat soviel Aufsehen erregt wie die der morphogenetischen Felder Rupert Sheldrakes. Dass "Gewohnheiten", die im Laufe der Zeit durch die Wiederholung von Ereignissen entstehen, den evolutionären Antriebsmechanismus der belebten und der sogenannten unbelebten Natur bilden sollen, fasziniert und verstört zugleich. Denn Sheldrakes Theorie stellt die wissenschaftliche Mechanistik in Frage, der zufolge die Evolution der Arten nach strikten, überprüfbaren Mustern abläuft, die jedenfalls nichts mit der Vorstellung weltumspannender „Erinnerunqsfelder" zu tun haben. Wem Sheldrakes Studien zu umfangreich scheinen, oder wer sich ihnen nähern will (und sei es nur, um mitreden zu können), findet in Weites schmalem Band eine hilfreiche Alternative. Der ehemalige Theatermacher und jetzige freie Mitarbeiter des bayerischen Rundfunks hat für einen Fernsehbericht ausführlich mit Rupert Sheldrake gesprochen. Dieses Gespräch steht neben einer Erläuterung seiner Thesen im Mittelpunkt des Buches, das die Komplexität von Sheldrakes Denkansatz unterstreicht: "Wenn morphische Resonanz tatsächlich existiert, dann ist die wichtigste Begleiterscheinung unserer bewussten Gedanken, dass alles was wir denken, genauso wie das, was wir tun und sagen, andere beeinflussen kann. Das gibt uns eine größere Verantwortung für unser Denken, für den Standpunkt und die Geisteshaltung, die wir einnehmen." Weite hat dieses Gespräch um die Vorstellungen so unterschiedlicher Vor-Denker wie Platon, Teilhard des Chardin und C. G. Jung ergänzt. Letztlich spiegeln sich deren Lebenserfahrungen wider in der Erkenntnis des als Ketzer- verbrannten Giordano Bruno: "Da seht ihr also, wie alle Dinge im Universum sind und das Universum in allen Dingen, wir in ihm, es in uns, und so alles in eine vollkommene Einheit mündet." 

Weite, Karsten: Gespräch mit Rupert Sheldrake. Vilsbiburg: Arun, 1991. 1005., DM 12,601sFr 10,701 öS 98,30