Die Autorin geht der Entwicklung von Lebensformen seit dem 18. Jahrhundert nach und beschreibt Entstehung und Wandel des modernen Lebensstils. Darunter versteht Becher ein Grundmuster an Überzeugungen und Verhaltensweisen, das die persönliche Lebensgestaltung in all ihren Facetten prägt. Neben politischen, ökonomischen und sozialen Existenzbedingungen bestimmten auch kulturelle Normen den Lebensstil einer Gesellschaft. War die Lebensführung ehemals durch die Zugehörigkeit zu einem Stand geregelt, so proklamierte die Aufklärung die Autonomie des Individuums und somit die Wahlfreiheit der Lebensführung. In den aufkommenden Industriegesellschaften wurde diese Freiheit wiederum stark eingeschränkt. Erst im Laufe des 20. Jahrhunderts sind die Voraussetzungen für eine gewisse Wahlfreiheit der Lebensgestaltung gegeben. Es handelt sich also keineswegs um Merkmale der Moderne, sondern um die Einlösung des Programms des 18. Jahrhunderts. Die Beispiele dieser anregenden und kurzweiligen Lektüre reichen vom Verbot der Turnvereine in der Restaurationszeit bis zur Trimm-dich-fit-Bewegung, von der Normierung der Speisefolge bis zum Schnellimbiss, von der Individualisierung der Wohnkultur wegen Geruchsbelästigung bis zur Idee der Wohngemeinschaft. Verdienstvoll ist, dass diese Abhandlung nicht den populären Trends folgt, indem sie Lebensstile im Jahr  2000 erfindet, sondern geschichtliche Aufarbeitung von Entwicklungstendenzen und eine bewusstere Gestaltung der Zukunft anregt. 

Becher, Ursula A.J.: Geschichte des modernen Lebensstils. Essen-Wohnen-Freizeit-Reisen. München: Beck, 1990. 2595., DM 39,80135,301 öS 310,40