Mit dem blutigen Zerfall Jugoslawiens ist der Krieg nach Europa zurückgekehrt. Somalia, Angola oder Kambodscha stehen für die vielen Bürgerkriege in der Dritten Welt, Georgien oder Aserbaidschan für die ethnischen Konflikte und deren Sprengkraft in den postsowjetischen Staaten. Zugleich ist nach dem Ende des Kalten Krieges die Bereitschaft der internationalen Staatengemeinschaft gestiegen, der massiven Verlet zung von Menschenrechten nicht mehr tatenlos zuzuschauen, sich auch in kriegerische Konflikte einzumischen, Hilfe für die Opfer zu leisten und Friedensschlüsse zu unterstützen. Mit dem Engagement der UNO gewachsen sind neben den Erwartungen auch die Fehlschläge. Die Diskussion der Möglichkeiten und Grenzen internationaler Einmischung ist überfällig. Der vorliegende Band leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Einer Erforschung der Konfliktursachen, die weitgehend im "Nachholprozeß nationalstaatlicher Konsolidierung" gesehen werden (Ferdowsi), folgen Überlegungen über die Möglichkeiten vorbeugender Diplomatie und erfolgversprechender Vermittlung u. a. mit den Positivbeispielen Zimbabwe und Namibia (Meyer, Paffen holz) sowie Chancen und Risken "humanitärer Interventionen", wobei neben der zunehmenden Notwendigkeit auch die Ambivalenz humanitärer Hilfe (Gefahr der Instrumentalisierung durch eine der Konfliktparteien, Selektivität der Hilfe je nach Medienpräsenz Henn/Klingebiel) diskutiert wird. Eine kontroverse Erörterung erfährt die Option militärischer Interventionen: Der Forderung nach "robusten" Blauhelmeinsätzen aus rasch verfügbaren nationalen UN-Einheiten, die einer Renationalisierung globaler Sicherheitspolitik entgegenwirken sollten (Kühne), steht die Warnung vor zu großen Erwartungen an die UNO als Friedensstifter im allgemeinen sowie die Möglichkeiten militärischer Interventionen im besonderen (Hippler) gegenüber. Alle Beiträge verbindet trotz unterschiedlicher Auffassungen im Detail die Überzeugung, daß es keine Patentrezepte gibt, so sehr die Medien manchmal zu diesen verleiten mögen. Dies bezeugen nicht zuletzt die den Band abschließenden Berichte zu Jugoslawien, Somalia und Kambodscha. Unterschiedliche Theorien über Nationalismus, eine Beschreibung der wichtigsten nationalen und ethnischen Konflikte der Gegenwart sowie Strategien und Ansätze zu deren Überwindung sind nachzulesen in: Jäggi, Christian J.: Nationalismus und ethnische Minderheiten. Zürich: Orell Füssli, 1993, 281 S. H.H.

Frieden durch Einmischung? Der Schrecken des Krieges und die (Ohn)Macht der internationalen Gemeinschaft. Hrsg. v. Volker Matthies. Bann: Dietz, 1993. 222 S., DM 19,80/ sFr 16,80/ öS 154,50