Regulierte Marktwirtschaft

 

Der Titel der vorliegenden Abhandlung mag etwas sperrig wirken, er gibt aber gut wieder, worum es darin geht. Eberhard Umbach, Soziologe und Umweltsystemforscher mit dem Schwerpunkt der Gestaltung nachhaltiger Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme, gibt einen spannenden Abriss über die Entwicklung der modernen (Industrie)gesellschaft auf der Basis von Aufklärung, Wissenschaft, Technikentwicklung und politischer Ausdifferenzierung von Nationalstaaten. Gemäß einem gutem Lehrbuch, dem auch der günstige Preis korrespondiert, geht der Autor dabei gründlich vor – so werden die geistigen Leistungen von Homo sapiens seit der Menschwerdung und speziell Europas Entwicklung seit dem 15. Jahrhundert gewürdigt.

 

In der Folge beschreibt Umbach die Ambivalenzen der Gegenwart, insbesondere den Mechanismus der Kapitalakkumulation und die Tendenzen hin zu einer neuen „Ungleichheitsgesellschaft“. Überzeugt, dass Zukunft gestaltbar ist, entwirft der Autor schließlich ein Szenario einer sozialen ökologischen Marktwirtschaft, das in Reformschritten umgesetzt werden soll. Umbach plädiert für weitere Arbeitszeitverkürzungen, eine Gewinnbeteiligung der ArbeitnehmerInnen (ein Aspekt, der weitgehend in Vergessenheit geraten ist), die Stärkung des Staates und seiner Finanzierungsmöglichkeiten sowie den Umstieg auf eine nachhaltige Energiebasis. Selbstverständlich ist nicht alles neu, was der Autor hier dargelegt, spannend sind jedoch der ganzheitliche Ansatz und der „systemische Blick“. Umbach erläutert daher nicht nur Aspekte wie die Rolle von Macht, Markt oder Bildung in der Wirtschaft, sondern auch psychische Faktoren wie Wahrnehmung, Bewertung, die Bedeutung mentaler Modelle, die ihn zur Hoffnung führen, dass die Ideologie alleiniger Gewinnmaximierung von immer mehr Menschen hinterfragt werde und eine aktive Zivilgesellschaft letztlich die Umsteuerung – hier am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland – einläuten würde.

 

Wertvoll macht die Abhandlung, dass der Autor Wissens- und Theoriestränge – etwa die ökonomischen Theorien – anschaulich vermittelt und zentrale Aspekte einer nachhaltigen Umsteuerung, etwa die Bedingungen für Wirtschaften ohne Wachstumszwang – sachlich fundiert erläutert. Denn ein auf Staatsverschuldung ausgerichteter Keynesianismus ist für den Autor (zu Recht) auch kein nachhaltiges Rezept gegen den Neoliberalismus. H. H.

 

Umbach, Eberhard: Freiheit, Wissen, Macht und Geld. Eine Systemanalyse der Modernen Gesellschaft mit dem Ziel Soziale Ökologische Marktwirtschaft. Dreieich bei Frankfurt/M.: Medu-Verl., 2008. 437 S., € 9,80 [D], € 10,10 [A], sFr 16,70; ISBN 978-3-938926-60-4