»125 Länder, auf der südlichen Halbkugel verteilt, sind wie wunde Stellen und Schwären am Körper der Welt, die von bisher unbekannten Erschütterungen heimgesucht wird.« Bertrand Schneider, Generalsekretär des Club of Rome, lässt seinen Bericht über die friedliche »Revolution« der Barfüßigen drastisch beginnen und in der Tat: die Situation vieler sogenannter Entwicklungsländer hat sich im Laufe der letzten 20 Jahre zunehmend verschlechtert, trotz - oder weil - der wohlhabende Norden   Entwicklungshilfe geleistet hat. Über den zweckgerichteten und sinnvollen Einsatz einer Hilfe für die Armen handelt das Buch im Wesentlichen. Schneider hält entwicklungspolitische Großprojekte für die Misere mitverantwortlich. Sie seien zumeist übertechnisiert, führten zu-neuen Abhängigkeiten und würden nicht von der Bevölkerung getragen. Dagegen stellt er Mikroprojekte, Initiativen von Bauern, Dorfgemeinschaften, Kooperativen und Genossenschaften, die ihre Entwicklung selbst in die Hand genommen haben. Unterstützung und Hilfe beim Aufbau solcher Basisgruppen leisten die in den meisten Ländern anzutreffenden Nicht-Staatlichen Organisationen (NSO, im Englischen auch als NGO's, non-governmental organisations, bezeichnet). Dies sind meist private Organisationen, die nicht auf Gewinn ausgerichtet sind, sondern eher gesellschaftsverändernde Perspektiven vertreten. Diese Entwicklungsarbeit mit menschlichem Maß wird im Bericht anhand etlicher Beispiele in ihren Vorteilen und Problemen diskutiert und als sinnvoller Weg zur Beseitigung der Verarmung und Unterentwicklung vorgeschlagen.  

Das Buch gibt einen bestürzenden Einblick in die ungleich verteilten Lebenschancen auf dieser Welt, aber es zeigt auch, dass diese Situation nicht »gottgewollt« ist, sondern durch solidarische Aktion und insbesondere wirtschaftliche Umstrukturierung verändert werden kann. »Viele kleine Dinge an vielen kleinen Orten durch viele kleine Leute können die Welt verändern.« (Sprichwort aus Neuschottland)

Schneider, Bertrand: Die Revolution der Barfüssigen. Bericht an den Club of Rome. Wien (u.a.): Europaverlag, 1986. 288 S.