Ein Weg, den auch Frank Uekötter, Kollege von Radkau, in seinem nicht weniger umfassenden Band „Am Ende der Gewissheiten“ einschlägt. Uekötter lässt vornehmlich die deutsche Umweltbewegung Revue passieren („Von Grünen, Gerechten und Graugänsen“) und schließt mit zwölf Thesen für eine Öko-Bewegung im 21. Jahrhundert. Neben einer differenzierten Auseinandersetzung, die der Aufnahme von Öko-Themen auch in die Politik und Wirtschaft in einer modernen Wissensgesellschaft gerecht wird – der einfache Gegensatz „Wahrheit gegen Interessen“ (S. 239) sei nicht mehr aufrecht zu erhalten, so Uekötter, der auch „eine Kultur des Zuhörens“ fordert, S. 245) – plädiert der Autor auch für eine „Umweltbewegung mit sauberem Gewissen“. Politische Forderungen der Umweltbewegungen sollen zukünftig immer auch unter dem Aspekt geprüft werden, was sie für die „soziale Balance in unserer Gesellschaft“ bedeuten (S. 240ff.). „Soziale und ökologische Belange stehen in einer Spannung zu einander und nicht selten auch in Konkurrenz. Aber gerade deshalb wäre es einen Versuch wert, im Ökologischen stets auch das Soziale zu denken – und umgekehrt“ (S. 242). Resümee: Der Umweltbewegung tut ein differenzierendes und reflektierendes Geschichtsbewusstsein gut – die vorliegenden Bände tragen Wertvolles dazu bei. H. H.

Uekötter, Frank: Am Ende der Gewissheiten. Die ökologische Frage im 21. Jahrhundert. Frankfurt/M.: Campus, 2011. 301 S., € 24,90 [D], 25,60 [A], sFr 42,30 ISBN 978-3-593-39533-3