Nach dem Motto "Vergraben und Vergessen" entstanden bis Ende 1988 bekannt gewordene 48377 Altablagerungen und -standorte, Schlamm- und Sondermülldeponien, chemische Fabriken, Kokereien. In Zukunft stellt die große Zahl sanierungsbedürftiger Abwasserkanäle eine Zeitbombe dar. Doch damit nicht genug: Die chemische Industrie hat bisher 100000 "Altstoffe" angemeldet. Hochgiftige Substanzen wie Dioxin, Arsen, Cadmium, Chlorkohlenwasserstoffe - um nur einige zu nennen - können enthalten sein. Ein Überblick über die gebräuchlichsten Sanierungstechniken (Verbrennen, Einkapseln, Bodenwaschen, Verfestigen) zeigt, dass die notwendige Abdichtung der Sohle bis heute noch bei keiner Deponie geschehen ist. Da bisher für Erfassung, Bewertung und Sanierung die Länder zuständig sind, gibt es zudem keine einheitliche gesetzliche Regelung. Darüber hinaus macht der  enorme Finanzbedarf deutlich, dass die Kommunen überfordert sind. An Beispielen wird die Sachlage in den einzelnen Bundesländern beschrieben. Das Finanzierungsproblem findet seine Fortsetzung darin, dass das Fundament der Umweltgesetzgebung, das Verursacherprinzip, in den meisten Fällen nicht mehr anzuwenden ist. Um neue Impulse in die Debatte einzubringen, weist der Autor darauf hin, dass es in den USA einen Altlastenfonds ("superfond") gibt, der über die Besteuerung von Erdöl und Chemikalien finanziert wird. Weiters liefert er Vorschläge für "beprobunqslose" Untersuchungen zum Erkennen von Altlasten und hebt die Bedeutung der Information und Zusammenarbeit mit Bürgern hervor. Zur Vermeidung weiterer Belastungen schlägt Föste "mehr Demokratie bei der Entscheidung über neue und alte chemische Stoffe und Produkte" vor. Auch der Einsatz ausgereifter Technik bei der Entsorgung ist ein Gebot der Stunde. Altlastensanierung Chemie

Föste, Wolfgang : Altlasten. Die Zeitbombe im Boden tickt. Ein Ökoreport. Frankfurt/M.: Fischer, 1990. 114 S., DM 12,80/ sFr 10,90/ öS 99,80