Drei Szenarien - eine Welt des Marktes, eine Welt als Festung und eine Reformwelt - entwirft der Autor, Leiter der Abteilung „Strategische Analyse“ am World Ressources Institute, in dieser Abhandlung. Während die „Marktwelt“ bestimmt wird von der Globalisierung des westlichen Entwicklungsmodells und der weltweiten Nutzung effizienter Technologien, führen in der „Festungswelt“ das Scheitern wirtschaftlicher Prosperität in Asien, Lateinamerika und Afrika zu Hungerrevolten, Gewalt und Kriegen um Ressourcen sowie zu einer Abschottung der reichen OECD-Staaten, die jedoch durch Migrantenströme ebenfalls in die Weltkrise hineingezogen werden. Hammond setzt auf die Kräfte der „Marktwelt“, doch weiß auch er, daß „freier Markt und rasches Wirtschaftswachstum ... allein noch für keine rosige Zukunft (sorgen)“ (S. 52). Daher entwirft er als Wunschszenario eine „Reformwelt“, in der die Globalisierung des Marktes ökologisch und sozial durch politische Rahmenbedingungen gesteuert wird. Die vorgeschlagenen Maßnahmen reichen hier von Ressourcensteuern über eine Renaissance der Städte bis hin zum vielfältigen Engagement von Kirchen und Bürgerinitiativen. Eine wichtige Rolle spielen selbstverständlich die neuen Kommunikationsmedien („GlobalNet“).

Zurecht verweist Hammond auf die begrenzte Aussagekraft globaler Szenarien. Detaillierter sind daher die regionalen Zukunftsentwürfe im zweiten Teil des Buches, in denen neben Gefahrenszenarien zugleich auch Positivszenarien aufgezeigt werden. Der Autor beschreibt darin u. a. einen sozialen Reformweg für Lateinamerika, der von charismatischen politischen Führern ebenso wie von vielen Basisgruppen initiiert wird. Er skizziert ein wirtschaftlich prosperierendes China auf solarer Energiebasis, eine „zweite Unabhängigkeit“ Indiens, die von der Aufwertung der Dorfgemeinschaften und einer radikalen Dezentralisierung der politischen Strukturen ausgeht und er beschreibt  einen befriedeten Nahen Osten, in dem Israel und Palästina kooperieren und ein gemäßigter Islam für die soziale Entwicklung der Staaten auf der Basis des Ölreichtums in der Region sorgt. Neue politische Führungen sind auch die Hoffnung Hammonds für eine Entwicklung Afrikas und ihre Einbindung in die Weltwirtschaft. Die Zukunft Osteuropas und Rußlands sieht er im Durchbruch der Marktwirtschaft - das „russische Wirtschaftswunder“ datiert der Zukunftsforscher dabei auf die 20er Jahre des nächsten Jahrhunderts. Für Nordamerika, Europa und Japan erhofft Hammond schließlich offene, bewegliche, multiethnische Gesellschaften, basierend auf modernen und ökologisch effizienten Wirtschaften und - hier bricht deutlich die amerikanische Vorstellung von Charity durch - aktiven Bürgerbewegungen, die sich für soziale Belange einsetzen.

Die Zukunftsausblicke auf das Jahr 2050 basieren auf Ergebnissen fünfjähriger Forschungen, an denen WissenschaftlerInnen aus der ganzen Welt beteiligt waren. Zugleich stützen sie sich auf empirische Daten des World Ressources Institutes und auf Arbeiten der „Global Scenario Group“, der der Autor ebenfalls angehört. Die Szenarien beanspruchen nicht, eine exakte Beschreibung der Zukunft zu sein. Sie sind für Hammond ein kreatives Hilfsmittel, um mögliche Zukunftsentwicklungen anschaulich zu machen.

Als solche sind sie sehr wohl der Lektüre zu empfehlen, wiewohl der ungebrochene Glaube an den westlichen (oder: amerikanischen?) Entwicklungsweg zu hinterfragen ist. H. H.

Hammond, Allen: Projekt Erde. Szenarien für die Zukunft. München: Gerling Akademie Verl., 1999. 385 S., DM 58,- / sFr 52,50 / öS 423,-