Das Zukunftsszenario des Autors ist pessimistisch: "Die Industrienationen des Westens schicken sich an, ihre ökonomischen Interessen weltweit durchzusetzen wenn nötig auch mit militärischer Gewalt." Bialas zieht gar Parallelen zur Kolonialisierung Altamerikas durch die Europäer im 16.Jahrhundert, mit der die "Weltherrschaftsgeschichte" der westlichen Kultur eingeleitet worden sei. Und er diagnostiziert eine geistige Verarmung unseres Zeitalters, die sich in einem "aufgezwungenen Konsum" und der "Langeweile eines manipulativen Kulturbetriebs" ebenso äußere wie in der "Ratlosigkeit des Denkens" (einschließlich der Beliebigkeit einer "aufgeblasenen Postmoderne"). Die endgültige Etablierung der neuen Weltordnung würde die sozial-ökonomischen Widersprüche zwischen Arbeit und Kapital. Konzernprofiten und verarmten Gemeinwesen, reichen Zentren und verarmten Peripherien verschärfen "und den ganzen Planeten in den Strudel von Verelendung, Gewalt und Umweltkatastrophen hineinreißen" (S. 69).  Dem setzt der Autor die "Perspektive einer globalen Friedensordnung" entgegen, die sich durch demokratisch verfaßte Gesellschaften, eine weltweit gerechte Wirtschaftsordnung, eine institutionell gesicherte Internationale Rechtsordnung sowie durch neue ethische Kriterien jenseits der "leistungsorientierten Wettbewerbsgesellschaft" auszeichnet. Als Träger dieses Friedensprozesses benennt Bialas "eine neue Koalition der Verantwortungsbewußten mit den Ausgegrenzten", das "Zusammengehen jener, die um das Elend der Welt wissen und nicht willens sind, die Verschärfung der weltweiten Probleme resignativ und fatalistisch hinzunehmen" (S.69). Der an philosophischen und theologischen Bezügen reichen Abhandlung ist zuzustimmen, daß die weltweite Durchsetzung der Werte eines Konkurrenzkapitalismus nicht das Ziel sein kann, zum anderen sind aber Apokalypsedrohungen wohl auch kein guter Ratgeber. Die vom Autor zu Recht geforderte "globale Umverteilung" kann durch den gegenwärtigen Globalisierungsprozeß auch gefördert werden. Soziale Grundrechte in aller Welt zu erkämpfen, wird u.a. Aufgabe nationaler wie internationaler Gewerkschaften sein. H. H.

Bialas, Volker: Die zwei Gesichter einer neuen Erde. Weltherrschaft und Kooperation als widerstreitende Prinzipien planetarischer Neuordnung. Münster: Agenda-Verl., 1997. 137 S. (Agenda Frieden; 22)