"Damit sich etwas ändert, muß Vieles geändert werden", mit solchem Anspruch auf den Plan gerufen, macht sich der Trendforscher Matthias Horx auf die Suche nach dem neuen Zivilisationstypus der Zukunft, der sich wesentlich vom heutigen Menschen unterscheiden muß. Besonders engagiert zieht er dabei gegen das Kassandragewerbe, den deutschen Alarmismus, der ”Nörgelkultur" ebenso wie gegen die Mahner und Warner vor dem Ende des Wohlstands - also gegen den Pessimismus schlechthin - zu Felde. Mit der "Kultur des Wandels" umschreibt Horx nicht etwa Szenarien oder spektakuläre Technologien; ihm geht es hier um das "Innere des Wandelungsprozesses, seine Anatomie und Psychologie", denn "Zukunft wird nicht von Technologie alleine erzeugt" (S.17). Nicht weniger entscheidend sind unsere gesellschaftlichen und privaten Möglichkeiten, mit Veränderungen umzugehen. Als zentrales Problem der heutigen Gesellschaft sieht Horx die wachsende Komplexität im Alltag. Die ständige Zunahme an Optionen und der Verlust an Eindeutigkeit machen nichtlineares Denken zur existentiellen Notwendigkeit. Komplexitätsreduzierer - vom Populisten zum Weltuntergangsbeschwörer - sind dem Autor demnach ein Gräuel. Die Idee des Komplexen hält er für ein wichtiges Werkzeug für unseren Weg in die Zukunft, ja sie könnte sogar "die alten utopischen Weltbilder, die von spektakulärer Überwindung ...handeln, ablösen" (S. 65). Wir können erst dann behaupten, die Zukunft zu sehen, wenn wir in der Lage sind, "Strukturen des ,sowohl-als-auch' in unserem Bewußtsein zu akzeptieren" (S. 35). Zweifellos versteht Matthias Horx das Trendgeschäft vorzüglich, gibt sich demnach keine Blöße und selbstverständlich optimistisch, analysiert gegenwärtige Megatrends wie Individualisierung, Globalisierung, Informationsgesellschaft und stimmt uns (nicht nur das höhere Management) entgegen der vielfach praktizierten endlosen ..Aneinanderreihung von Düsternissen" auf eine positive Zukunft ein. Genau diese Zukunftsbejahung fordert er auch von der Politik, die der Gesellschaft eine Vision ihrer möglichen Zukunft anbieten muß, an der sie sich orientieren und verändern kann. Der vorgestellte Zukunftsentwurf gefällt sich aber nicht nur in blindem Optimismus, sondern beschreibt gangbare Wege der Zukunftsbewältigung, ohne näher auf die wirklich existentiellen Bedrohungen für die Menschheit einzugehen. Ein Lese- und Denkvergnügen, dem sich niemand verschließen sollte. A. A.

Horx, Matthias: Das Zukunfts-Manifest. Wie wir uns auf das 21. Jahrhundert vorbereiten können. Düsseldorf (u. e): Econ, 1997. 336 S. (Edition Zukunft)