Die Stadt als Phänomen ist gleichermaßen für Soziologie, Geographie, Geschichts-, Literatur-, Politikwissenschaft und Architektur von Interesse, wie die hier versammelten Beiträge von insgesamt acht prominenten Autoren belegen. Der Geograph Peter Hall, Direktor des Instituts für Stadtentwicklung in Berkeley, eröffnet den Band mit Thesen, die den sonst weit verbreiteten pessimistischen Prognosen entgegenstehen: Er führt aus, dass der zumindest in der nördlichen Hemisphäre zu beobachtenden Abwanderung aus den Städten die Entwicklung gegenübersteht, dass die Metropolen vor allem zu Wirtschaftszentren werden, wobei die Veränderungen der Ökonomie selbst positive Effekte für die Stadtentwicklung hervor brächten. Der amerikanische Architekturtheoretiker Joseph Rykwert kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass die von der High-Technology ausgelöste gesellschaftliche Revolution eine grundlegende Wandlung der Gestalt der Städte mit sich bringen müsse. Gefragt sei Stadtbaukunst. die über hergebrachte architektonische Vorstellungen hinausgehe und vor allem auch durch politische Lösungen ergänzt werden.  Dagegen betont der Soziologe Manuel Castells die Krise der zeitgenössischen Großstadt. Am Beispiel der Metropolen Lateinamerikas, aber auch New Yorks entwirft er ein alarmierendes Szenario: Die Stadt teilt sich immer mehr in einen reichen und in einen verarmten, überfüllten Teil, der von Drogen, Verbrechen und Hunger geprägt wird. Nur durch planvolles politisches Handeln könne ein Desaster abgewendet und die Entwicklung der Städte positiv gestaltet werden; Voraussetzung dafür sei ein gegenüber den internationalen Wirtschaftssystemen autonomes Regierungssystem der Gemeinden. Das Buch macht die subjektive Welterfahrung gerade auch als eine Frage des Milieus bewusst; es ermutigt   dazu, trotz vielfacher Bedrohungen quer-Stadt und durch die Stadt nicht einem anti-städtischen letztlich anti-modernen Ressentiment zu verfallen, sondern die Vielfalt und den Reichtum, das schöpferische Potential der Städte für notwendige Alternativen in der urbanen Entwicklung zu nutzen und zu gestalten. 

Die Welt der Stadt. Hrsg. v. Tilo Schabert. München: Piper, 1991.259 S. (Serie Piper) DM 19,80/ sFr 16,80/ öS 154,40