Der Mensch strebt sowohl nach Sicherheit und Geborgenheit als auch nach Abenteuer und Risiko. Er sucht aber "nur dann Unsicherheit auf, wenn er sich sicher fühlt". Daraus resultiert unser tägliches Risikoverhalten, daß im vorliegenden Band eingehend besprochen wird. Der Erziehungswissenschaftler Felix v. Cube meint, daß der Mensch das Risiko aufsucht, um Sicherheit zu gewinnen. "Wir haben ,Hunger' nach Risiko." Deshalb, so seine Erklärung, fährt man mit ABS-Bremsen schneller oder nimmt als geübter Kletterer mehr Risiko. Daraus leitet Cube ein "Sicherheits-Risiko-Gesetz" ab: "Je größer das Sicherheitsgefühl, desto größer das Risiko." Im Wesentlichen sind es fünf Risikofaktoren, die unser Leben bestimmen: Angstvermeidung, Überheblichkeit, Ignoranz, Langeweile und Lust. Prägnante Beispiele gibt der Verfasser aus den Bereichen Arbeitswelt, Schule und Freizeit. Er lenkt dann aber den Blick weg vom persönlichen, begrenzten und gefährdeten Leben auf "die totalen Risiken unserer heutigen Zivilisation". Hier ist dem Autor Sicherheit ein Gebot der Humanität, "Unsicherheit darf ... nur dort toleriert oder sogar hergestellt werden, wo Leben und Gesundheit anderer nicht gefährdet werden". Das Risiko darf keinesfalls die Grundlagen unseres Lebens betreffen. Die gegenwärtige Risikogesellschaft ist nach Meinung Cubes "nicht einfach eine Folge von Wissenschaft und Technik, sie ist vielmehr eine Folge des Strebens nach Lust ohne Anstrengung." Und obwohl die Risiken objektiv erkannt sind, geht der einzelne für gewöhnlich nicht daran, die berechtigte Angst vor diesen zu beseitigen, sondern versucht, Strategien der Angstvermeidung zu entwickeln. Cube sieht in der Angstvermeidung durch Glauben (an Wissenschaft, New Age oder auch Sekten) die größte Gefahr. Vielen geht es aber so, wie dem Beifahrer auf dem Motorrad, der den Gefahren ohnmächtig ausgesetzt ist. "Glücklicherweise begreifen immer mehr Menschen, daß die Angst vor den Risiken - und vor den Geborgenen - berechtigt ist und daß die einzige Möglichkeit des Überlebens in der Beseitigung der Risiken besteht - nicht in der Vermeidung der Angst." Cube fordert das Recht auf Sicherheit und das Recht auf persönliches Risiko. "Es ist notwendig und richtig, die Natur und unsere Lebensgrundlagen zu erhalten und zu sichern und die für die Triebbefriedigung notwendigen Risiken in die Welt des Geistes, die Kultur zu verlegen" A. A.

Cube, Felix v.: Gefährliche Sicherheit. Die Verhaltensbiologie des Risikos. Stuttgart (u.a.): Hirzel, 1995. 146 S.