Nach der politikwissenschaftlichen Analyse des Themas ist der nächste angezeigte Band eher der Kategorie des Ratgebers zuzuordnen, denn  „gute“ PolitikerInnen überlassen nichts dem Zufall. Und die nächste Wahl steht sozusagen immer vor der Tür. Vor allem dann, so Thomas Hofer, gelte es, die richtige Mischung zwischen Überzeugungskraft und Manipulation zu finden. Leicht sei dieses Unterfangen nicht, denn ungeachtet unserer eigenen Ratio wählen wir mehr aus Gefühl als aufgrund von Programmen oder Argumenten. So lautet zumindest die Erklärung des Autors dazu, warum sich die 60:33:7-Regel (Auftreten: Stimme: Argumente) immer wieder bewahrheitet. Demnach überzeugen primär nicht Argumente, sondern deren Aufbereitung. Das ist kein Geheimwissen, aber so richtig eingestehen will man sich das offenbar hierzulande noch nicht. Dies hat zumindest in Österreich, so Hofer, dazu geführt, dass unsere Politiker vergleichsweise amateurhaft im Umgang mit dem für ihren politischen Erfolg so wichtigen Spin sind. Spin, das ist der richtige Dreh, den man einer Botschaft verleihen kann, um die WählerInnen in seinen Bann zu ziehen.

 

 

 

Die Geschichtenerzähler

 

In allem was PolitikerInnen tun, geht es darum, über Geschichten und weniger über Fakten zu kommunizieren. Den PolitikerInnen als „Geschichtenerzählern“ widmet Hofer ein umfangreiches Kapitel. Seiner Ansicht nach kommuniziert nur, wer über Geschichten kommuniziert. Der Autor liefert auch gleich die notwendigen Kriterien, denen eine gute Geschichte folgen muss, um vom Publikum angenommen zu werden: Die vier Grundelemente einer guten Medienstory sind 1.) der Wettkampf, um Spannung aufzubauen wie in der Welt des Sports; 2.) das Schicksal von Menschen ist das, was das Publikum interessiert; weiters 3.) die Verschwörung (Jörg Haider witterte hinter jedem noch so unbedeutenden Thema die große Weltverschwörung und inszenierte diese dann erfolgreich als politischen Skandal.) und schließlich 4.) die Show. Eine Reihe von Beispielen, von Ronald Reagan über Margaret Thatcher bis Bill Clinton zeigen, wie das Geschichtenerzählen funktioniert. Die Rede ist etwa vom gekonnten Schachzug Barack Obamas gegen weißen und schwarzen Rassismus in seiner „Race-speech“, oder auch von der legendären Ansprache Martin Luther Kings, („I have a Dream“), die er am 28. August 1963 vor dem Lincoln Memorial hielt und der nicht weniger als 250.000 Zuhörer folgten (vgl. S. 149).

 

 

 

Professionalisierung der Politik

 

Thomas Hofer wünscht sich mit Blick auf seine Erfahrungen mit der US-Politik auch bei uns eine Professionalisierung des politischen Personals, um Politik wieder attraktiver und somit demokratischer zu machen. Einerseits ginge es darum, die Finten der „Geschichtenerzähler“ zu durchschauen, andererseits weiß der Autor sehr wohl, dass das wenig ändert, denn der Mensch ist und bleibt in seinen Handlungen emotional gebunden.

 

Doch nicht bloß in Österreich ortet er drastischen Nachholbedarf an professioneller Polit-PR, sondern auch innerhalb der EU. Wolle man den europäischen Gedanken in den Köpfen der BürgerInnen  verankern, müsse man Europa sichtbar machen, sagt Hofer. Das könne gelingen, indem man man etwa bei Sportgroßereignissen wie Olympischen Spielen neben den nationalen Medaillenwertungen auch die Gesamtbilanz der EU anführt. (So wäre etwa ersichtlich, dass die EU-Staaten bei den letzten Sommerspielen in Peking erfolgreicher waren als die USA oder Gastgeber China.). Aber auch die Verleihung kultureller und sportlicher Auszeichnungen durch hochrangige EU-Funktionäre könnte eine Bühne für eine effektive Selbstdarstellung der EU bieten.

 

Mut zum Teleprompter

 

Eine Trendwende zumindest in der österreichischen Politik ist zwar bereits erkennbar, aber der „Mut zum Teleprompter“ hat all seinen Anwendern bis jetzt nur Häme in der Presse eingebracht, so Hofer. In den USA wird der Teleprompter, der unter dem Kameraobjektiv angebrachte Monitor mit dem Redetext, standardmäßig verwendet. Bei uns, so der Autor, wird man stattdessen oft mit schlecht einstudierten oder heruntergelesenen Reden konfrontiert, die deutlich weniger überzeugend wirken und viel zur negativen Wahrnehmung beigetragen haben. Dass sich das politische Spitzenpersonal trotz medialer Ächtung gerne von Spin-Doktoren oder Trainern auf TV-Konfrontationen, Interviews und dergleichen vorbereiten lässt, ist hingegen kein Geheimnis. A. A.

 

Hofer, Thomas: Die Tricks der Politiker. Wien: Ueberreuter, 2010. 252 S., € 22,95 [D], 23,60 [A], sFr 39,- ; ISBN 978-3-8000-7448-8