Im Vorwort des vorliegenden Bandes beschreibt der Herausgeber die Bedeutung von Beratung wie folgt: „Wirtschaftspolitische Beratung interessiert die Politiker rational nur soweit, wie sie ihre politische Interessenposition aufrechterhalten oder ausbauen können.“ (S. 10) Politiker können Beratung also nur akzeptieren, wenn sie Wahlvorteile sehen, also ökonomische Konzepte erfolgreich in der Öffentlichkeit kommuniziert würden. Die optimale Form der Politikberatung ist im engeren Sinn keine Beratung, so Birger P. Priddats, sondern der Einstieg ins Politikgeschäft als ein so genannter „third party enforcer“. Der Ökonom schlägt deshalb vor, Beratung nicht als unterstützende Meinung, sondern als Bestandteil der Politik zu verstehen. PolitikerInnen erwarten, so der Wissenschaftler weiter, „ein paar überraschende Einsichten“, die sie besser darstellen oder ihnen erlauben, ohne große Kosten anerkennungswerte Politik zu betreiben (vgl. S. 20f.) Sie kaufen Rhetorik, nicht Sachverstand und brauchen den Erzähler, der seine Analyse in Stories verpacken kann. Insgesamt kommt gerade im Ansatz von Priddat deutlich zum Ausdruck, dass PolitikerInnen nicht primär an ökonomischen Zusammenhängen, sondern an der Auswirkung ihrer Argumentation auf das Verhalten der WählerInnen interessiert sind.

 

 

 

Mehr wissenschaftliche Beratung?

 

In einem weiteren Aufsatz Priddats wird der Grund für die zunehmend extern zugekaufte Beratungstätigkeit analysiert. Hier zeigt sich, wie weiter oben bereits erwähnt, dass die zu lösenden Probleme immer komplexer werden und der primär in der politischen Administration verfügbare Sachverstand als unzureichend angesehen wird. Aber auch Effizienzgründe spielen eine Rolle, wenn Verwaltungsstrukturen verschlankt werden sollen. Unwahrscheinlich ist allerdings, dass eine Verwaltungsbehörde ihre eigene Auflösung vorantreibt. Dazu leistet Andreas Huchler in seinem Aufsatz „Zwischen Politik und Organisation: Perspektiven der Behördenberatung in Deutschland“ einen wichtigen Beitrag.

 

Weitere Beiträge beschäftigen sich mit der Bedeutung ökonomischer Politikberatung. Nachhaltige Politikberatung ist demnach für Ingo Pies dann gegeben, wenn die Moderation diskursiver Lernprozesse gelingt. In seinem Aufsatz „Who governs?“ stellt auch Sven Wilhelm fest, dass der Einfluss wissenschaftlicher Beratung auf die Politik stetig abnimmt (vgl. S. 91), womit er der Einschätzung von Franz Walter, S. 234ff.) folgt. Priddat vertritt gar die These, dass die Politik der Wissenschaft generell misstraut, weil ihre Vorschläge ohne hinreichende Kenntnis der politischen Systemlogik vorgelegt werden. Etwas anders verhält es sich mit der wirtschaftswissenschaftlichen Beratung an der Schnittstelle zwischen Ökonomie und Politik. Der Herausgeber selbst hat in seinem Buch „Der Fall der Ökonomen“ (2004) darauf hingewiesen, dass die ökonomische Methodik mit der Sichtweise der Politik nicht deckungsgleich ist und daher von dieser nur bedingt akzeptiert wird. Der Band gibt durchaus Denkanstöße, liefert aber keine Anregungen für bessere Beratung, sondern analysiert deren Paradoxien und Kommunikationsmodalitäten. A. A.

 

Politikberatung: Prozesse, Logik und Ökonomie. Hrsg. v. Birger P. Priddat. Marburg: Metropolis 2009. 179 S., € 20,40 [D], 21,- [A], sFr 34,70

 

ISBN 978-3-89518-778-0