Die Angst um die Zukunft der Naturkostläden ist begründet. Mehr und mehr drängen Supermärkte und Großwarenhandelsketten in den Markt und wollen »problemlose« Produkte. »Die Läden geraten unter Druck: die Verbraucher wollen niedrigere Preise. Sie sind die Konkurrenz-Subventions-EG-Niveau-Preise gewöhnt.« (Wagener) Durch Aufklärung (Zusammenhänge aufzeigen) soll das Bewusstsein für teure Naturkostprodukte geschaffen werden. Der Bundesverband Naturkost ist dabei, neue Strukturen in basisdemokratisch eingerichteten Planungsgruppen zu organisieren. Die 'Zukunft der Naturkost beginnt jetzt. Dazu gehört ein »ökologisches Marketingkonzept« für Bio-Läden. Charakteristikum dieses Konzepts ist der Verzicht auf Verführung und Manipulation der Verbraucher. (Flieger) Voraussetzung für eine eigene Produktethik ist eine andere Denkweise - eine soziale Ökologie, die sich um ganzheitliche Sichtweisen bemüht. Beispielgebend ist die Idee der Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft, dem »vertraglich vereinbarten Zusammenschluss zwischen Produzenten und Konsumenten unter Ausschluss des Handels- und der Demeterbund, der eine möglichst direkte Vermarktung vom Erzeuger zum Verbraucher anstrebt. (Flieger) Wichtig ist für die Zukunft eine bessere Wareninformation und die Festlegung der Qualitäten - was unter »bio« zu verstehen ist. Unter dieser Bezeichnung firmiert inzwischen eine derartige Fülle von Produkten - vom »Bio-Waschmittel« zum -Bio-Beton« - , dass dieses Wort zum leeren Schlagwort geworden ist. Letztlich wird man sich ernsthaft überlegen müssen, wie eine sinnvolle Preisgestaltung aussehen soll. Die gegenwärtige Situation lässt befürchten, dass »wertvolle« Lebensmittel weiterhin Privileg einer finanzstarken Minderheit bleiben.

 

Flieger, Burghard: »ökologisches Marketing«, Zukunftschance für den alternativen Naturkosthandel? S.13


Wagener, Klaus: »Echt Bio«, die Zukunft der Naturkost. S. 11, beide In: Contraste. 4.Jg. (1987), Nr. 33