Der Herausgeber dieses Sammelbandes gibt den Gesellschaften von morgen nur eine Chance: Entweder sie werden weltoffene Gruppierungen sein oder sie werden nicht sein. Zunächst problematisiert der Münchner Theologe Trutz Rendtdorff die fortschreitende Säkularisierung, die Religion als transzendenten Garant der Humanität in der Politik zunehmend verblassen läßt. Auf die Entwicklung eines Grundlagenverstandes zur "Erkenntnis der Gesamtzusammenhänge" drängt sein Kollege Wilhelm Korff. Er will klarstellen, wohin die Reise gehen soll und welche Prinzipien ihr zugrunde liegen. Jede zukunftsweisende Umweltethik sollte die bisher fehlende "Gesamtvernetzung" beinhalten. Diese wäre - so Korff - durch die Rückbindung unserer Kulturwelt in das sie tragende Netzwerk der Natur sicherzustellen. Im zweiten Teil "Der Mensch in der Industriegesellschalt" stellt sich der Soziologe Ulrich Beck der Sicherheitsdiskussion in unserer Risikogesellschaft. Für ihn heben atomare, chemische, genetische und ökologische Großgefahren die tragenden Säulen des Risiko-Sicherheits-Kalküls auf. Die Schäden sind nicht eingrenzbar und oft irreparabel, vorsorgende Nachsorge wird im schlimmsten Fall unmöglich. Die Gefahren haben die Sicherheitsversprechen weit überholt. Sein Lösungsvorschlag angesichts dieser Tatsachen wird zaghaft bereits praktiziert: Klare Gewaltenteilung und vor allem Herstellung von Öffentlichkeit und breiter Mitbestimmungsmöglichkeiten. Ernst U. v. Weizsäcker wünscht sich die Internalisierung externer Kosten des Natur- und Energieverbrauchs durch eine Steigerung der Endverbraucherpreise um jährlich 5 %. Dies sollte aufkommensneutral über 20 oder 30 Jahre durch Subventionsabbau und Steuerumschichtungen geschehen. Der Politikwissenschaftler Manfred Mols fordert zuletzt dazu auf, das Nord-Süd-Problem mehr als bisher in eine Politik einzubauen, die sich zur Weltinnenpolitik wandeln muß. R. M.

Die Gesellschaft für morgen. Hrsg. v. Reinhard Göhner. München: Piper, 1993. 219 S., DM 16,80 / sFr. 14,30/ öS 131,80