Im November jeden Jahres treffen sich Friedensforscherinnen vornehmlich aus dem deutschsprachigen Raum auf Einladung des Österreichischen Studienzentrums für Frieden und Konfliktlösung, um die "Lage des Friedens" (State of Peace) im zu Ende gehenden Jahr zu erörtern. Im sog. „Friedensbericht" werden die Ergebnisse der Diskussionen und Vorträge öffentlich gemacht. Der „Friedensbericht 1992" behandelt u.a. die Themen Sicherheitspolitik in Europa nach der Wende, den Umgang mit dem erstarkenden Nationalismus, die Sowjetunion nach dem Zerfall, Militärhaushalt und Rüstung in den USA nach Golfkrieg und Kaltem Krieg, Friedenschancen für den Nahen Osten und Perspektiven für Kurdistan. Johan Galtung entwirft ein sehr anschauliches und warnendes Szenario von den "möglichen Konfliktformationen von morgen", eine ausführliche Einleitung zieht "Lehren aus dem Kriegsjahr 1991 ", ein Beitrag erörtert die Rolle der Friedensbewegung. Eine von der ARGE Kriegsursachenforschung erstellte "Kriegs-Chronologie" verzeichnet über 40 gewalttätige Konflikte im Berichtszeitraum, wobei es sich zum überwiegenden Teil um innerstaatliche Auseinandersetzungen in der Dritten Welt handelt. Aus Aktualitätsgründen sei besonders auf den Beitrag zum Krieg im zerfallenden Jugoslawien hingewiesen, der sowohl die Geschichte des Konfliktes als auch Perspektiven für eine Befriedung der Gesamtregion   "Südosteuropa" entwirft. In diesem Kontext von Bedeutung ist auch eine Analyse der Möglichkeiten von "peace-keeping" durch die UNO. Neben dem "Jahrbuch Frieden" eine weitere wertvolle Publikation, die es verdient, über den Kreis der (Friedens-)Forschung hinaus gelesen zu werden. Hans Holzinger

Das Kriegsjahr 1991: Unsere Zukunft? Friedensbericht 1992. Friedensforscher zur Lage. Hrsg. v. Österr.  Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung u. der Schweizerischen Friedensstiftung. Wien: VWGÖ-Verlag 1992.352 S. (Dialog; 21) DM 41,-/ sFr 35,-/ öS 290