Nach Exportschlagern wie "Lean Management", "Kaizen" u.a. kommt nun "Chika Kakumei" aus Fernost in Form eines "Megasellers " und verspricht Einblicke in die Zukunft. Ob solch angekündigter Superlative schadet ein gebührend Maß an Skepsis nicht. Nach Auskunft des Autors handelt es sich um den Versuch einer "fundierten Prognose ''. Er begnügt sich nicht mit der lapidaren Feststellung, dass die Zukunft anders sein wird als die Vergangenheit, sondern versucht, "über die begrenzten Perspektiven und stagnierenden Visionen, die für die zeitgenössischen Futurologen typisch zu sein scheinen, hinauszugelangen", Er ist überzeugt, dass die Zukunft eine völlig veränderte Gesellschaft bringen wird und prophezeit ein Ende der Industriegesellschaft.

Ersetzt wird diese durch eine Wissens-Wert-Gesellschaft (freie Übersetzung des japanischen Titels) im Sinne einer stärkeren Akzentuierung subjektiver Wertvorstellungen. Der gegenwärtige Materialismus in Form des massenhaften Gebrauchs von Dingen zum Selbstzweck liefert dem Autor die Bedingung für eine neue Gesellschaft aufgrund der Begrenztheit der Ressourcen. Der empathetische Impuls als treibende Kraft des Fortschritts bediente sich auch in der Geschichte immer der reichlich verfügbaren Materie. Diesem Prinzip zufolge werde man sich nach Ansicht des Autors künftig der zur Verfügung stehenden Zeit und dem Angebot an Wissen zuwenden und weit weniger Interesse an den materiellen Gütern haben. Statt Massenfertigung und Wirtschaftswachstum sind in der "Chika-Gesellschaft" Idealismus, Wissen und eine Produktionsweise mit individueller EinzeIfertigung vorrangig.

Der Manager der Zukunft wird sich vom Bürokraten zur "Spürnase" wandeln. "Die vorherrschende Form der politischen Organisation wird nicht der auf einem Volk beruhende Nationalstaat sein, sondern die ideologische Zone, deren losen Zusammenhang ein gemeinsamer gesellschaftlicher   Aspekt stiftet." Notwendig scheint dem Autor Blick auf den umfassenden Prozess des Wandels, sich bereits in der Antike, später im Mittelalter auch in der jüngsten Vergangenheit angedeutet hat. Sakaiyas Prognose, basierend auf Gegenwartsfortschreibung und Historismus, sind für europäisches Denken nicht immer nachvollziehbar. Dass ihm Japan in den 80er Jahren fast Idealstaat war, wundert hingegen nicht. Dass sich für ihn die USA aber am schnellsten auf den vorhergesagten Wandel zubewegen, könnte durchaus ein Verkaufsgag sein.

A. A.

Sakaiya, Taichi: Chika Kakumei - Die Geschichte der Zukunft. Der japanische Megaseller über die Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft. Düsseldorf (u.a.): Econ, 1994.3915, DM 68-/sFr62,60/öS 531,-