Je stärker ein durch Technik und Profit dominierter Umweltschutz im Rahmen der Marktwirtschaft propagiert wird, umso mehr wird eine in tiefen Schichten von Mensch und Natur verankerte ganzheitliche Ökologie in den Hintergrund gedrängt. E. Gugenberger und R. Schweidlenka - österreichische Experten für spirituell orientierte Basisbewegungen und indigene Völker - hatten schon früher in ihren Publikationen vor der Vereinnahmung ökologischer Bedürfnisse durch Sektenprediger und Geschäftemacher aus New Age, Esoterik, "neuer Rechte" usw. gewarnt. Im Unterschied zur "braunen" Boden(satz)philosophie knüpfen die "weißen" bioregionalistischen Bewegungen in den USA vor allem bei indianischen Wurzeln an und leiten daraus behutsam sowohl ethische Grundsätze, gemeinschaftliches Leben wie auch ihren praktischen Umgang mit "Mutter Erde" ab. Die" Deep Ecology" wie sie u. a. Gary Snyder, Joanna Macy, Peter Berg und Chellis Glendinning weiterentwickelten, ist aber auch in den Städten realisierbar. Mit einer Fülle von Beispielen belegen die Autoren, daß sich in den USA auch eine Mehrzahl politisch engagierter Grüner und politische Institutionen in Kalifornien darum bemühen, nach diesen Grundsätzen “Vernetzter, kleiner Einheiten" zu handeln. Solidarische, gemeinschaftliche Formen des Zusammenlebens und der praktischen gegenseitigen Unterstützung sind eine Grundvoraussetzung dafür. In Europa wurden dagegen die keltisch-germanischen wie auch die urchristlichen und mittelalterlichen Traditionen seit Jahrhunderten kanalisiert und den jeweils herrschenden politischen Machtsystemen dienstbar gemacht. Experten aus Ökologie, Philosophie, Psychologie und Praktiker unverfälschter Traditionen aus allen Kontinenten bemühen sich, diesen Zwängen entgegenzuwirken und lange geleugnete Kräfte wieder zugänglich zu machen. Zwar sind darin die vielen Bewegungen in den USA den Europäern darin weit voraus, dennoch können die Autoren auch auf dem alten Kontinent eine Reihe konkreter Projekte auflisten. M. Rei.

 

Gugenberger, Eduard; Schweidlenka, Roman: Bioregionalismus. Bewegung für das 21. Jahrhundert. 1995. Osnabrück: Packpapier, 1995. 238 S.,