Massenarbeitslosigkeit hat bekanntermaßen fatale Auswirkungen nicht nur für die unmittelbar Betroffenen, sondern auf das gesamte gesellschaftliche Gefüge. Im vorliegenden Sammelband werden im Ländervergleich (BRD, F, GB, I) die Bedingungen für die scheinbar gleichförmige Entwicklung in verschiedenen europäischen Volkswirtschaften untersucht und unterschiedliche Therapievorschläge dahingehend überprüft, inwiefern sie tragfähige Lösungen anbieten. Unisono wird in den Beiträgen der neoliberalen Dogmatik, "wonach Arbeitslosigkeit zuallererst etwas mit dem Lohnniveau oder der Lohnstruktur zu tun haben muß" (S. 9), konsequent widersprochen. Wenn der Herausgeber Arne Heise "Bestimmungsfaktoren der Unterbeschäftigung" am Beispiel BRD darstellt. so ist für ihn Massenarbeitslosigkeit zunächst ein Funktionsmerkmal entwickelter kapitalistischer Volkswirtschaften. Im Gegensatz zur neoliberalen Vorstellung sieht er nicht Überregulierung, sondern Regulierungsdefizite hinsichtlich der Koordination von Geld-, Lohn- und Wirtschaftspolitik. Vor dem Hintergrund der britischen Erfahrungen kommt Paul Gregg (London School of Economics) zu interessanten Schlußfolgerungen, wenn er etwa die extreme Verschlechterung der Löhne von Unqualifizierten konstatiert, die keineswegs mit einer Verringerung der Arbeitslosigkeit einhergeht. Michel Husson (Paris) sieht die Ursache der Beschäftigungskrise in Frankreich in der mangelnden Verkürzung der Arbeitszeit in den 80er Jahren. Im Jahr 2000 käme man seiner Ansicht nach bei einer schrittweise eingeführten Arbeitszeit von ca. 30 Wochenstunden auf eine Arbeitslosenquote von praktisch null. Schließlich werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede im europäischen Kontext herausgearbeitet wobei u. a. beschäftigungspolitische Vorstellungen internationaler Institutionen zur Debatte stehen. Wolfgang Sehröder (Brüssell analysiert dabei als Insider die Position der Europäischen Kommission und kritisiert deren Vorschläge, nicht überraschend, als mangelhaft. Wenn Arbeitslosigkeit für einen großen Teil der Bevölkerung zum Dauerzustand wird, so Sehröder. ist das soziale Sicherungssystem nicht mehr ausreichend und deshalb sind neue Möglichkeiten - etwa jene der negativen Einkommensteuer - zu prüfen. Insgesamt zeigt sich, wie eingangs erwähnt, daß neoliberale Konzepte nicht zur Lösung taugen sondern sogar oft (wie in GB) Teil des Problems sind. A. A.

Beschäftigungskrise in Europa. Erfahrungsaustausch für eine bessere Politik Hrsg. v. Arne Heise. Marburg: Metropolis-Verl., 1997. 232 S.