Als Versuch "eines kompakten  Überblicks  über Begriff, Ursachen von Armut" bezeichnet der Autor seine Abhandlung; ein Versuch, der recht anschaulich gelungen ist und der trotz wissenschaftlichen Anspruchs keineswegs auf engagierte Stellungnahme verzichtet. Dietz Anliegen ist es, Armut zu ”entdämonisieren" und jenen "Angst-Haß-Kreislauf" zu durchbrechen, der Armut noch immer und neuerdings wieder verstärkt als (allein) selbstverschuldetes Phänomen hinstellt. Der Autor skizziert zunächst den historischen Wandel von Armut als gottgegebenem Zustand, welcher den  Reichen durch Mildtätigkeit den Kauf des "Seelenheils" ermöglichte, hin zu einem auszumerzenden Mißstand, der mit der Entwicklung des Arbeitsethos ”ora et labora" zusammenfiel und Armut zum ”Ordnungsproblem" werden ließ, welchem mit Polizeigewalt, Zwangsarbeit und Armenhäusern zu begegnen war, um abschließend das Verhältnis von Armut und modernem Sozialstaat zu beleuchten. Er stellt in der Folge mehrere Armutstheorien und -begriffe vor, wobei er insbesondere die enger gefaßte ”Einkommensarmut" von umfassenderen, auch soziale, psychische und kulturelle "Deprivationen" einschließende Deutungen unterscheidet und dabei auch Armut in unterschiedlichen "Lebenslagen" - in der Kindheit. im Alter, in der Erwerbsphase - oder auch weibliche Armut thematisiert. Der letzte Abschnitt ist der "Bekämpfung von Armut" durch eine "Soziale Grundsicherung" gewidmet. Dietz beschreibt zunächst historische Vorläufer eines Grundeinkommens und unterzieht in der Folge die aktuellen Vorschläge der politischen Parteien zur Sozialen Grundsicherung in der BRD (Stand 1995) einer kritischen Bewertung. Das von der FDP forcierte und auch von den Unionsfraktionen befürwortete allgemeine ”Bürgergeld", welches nicht administrierbar sei, letztlich aber auch zur Umverteilung nach oben und zur Zerschlagung des Sozialsystems führe, lehnt der Autor ebenso ab wie eine "negative Einkommenssteuer", welche für ihn den Einstieg ins Lohndumping bedeuten würde. Mehr gewinnt der Sozialexperte den bedarfsorientierten Grundsicherungsmodellen von SPD, Grünen und POS ab, auch wenn ihm diese nicht weit genug gehen und noch zu sehr auf die herkömmliche Erwerbsbiographie fixiert sind. Dietz geht davon aus, daß die Zeit der Vollerwerbsarbeit endgültig vorbei sei und fordert ein bedarfsabhängiges Grundeinkommen, das sich am Durchschnittsgehalt orientiert und so materielle Unabhängigkeit garantiert. Finanziert werden soll dieses aus „am Fiskus vorbeigemogelten" Kapitalsteuern sowie durch soziale Umverteilung. Die Kommunen sollen durch die soziale Grundversorgung über die Länder bzw. den Bund finanziell entlastet werden und sich verstärkt der sozialen und psychischen Hilfestellung für die Betroffenen zuwenden. Die gegenwärtig betriebene "Reform" des Sozialstaats kritisiert Dietz als „Umverteilung nach oben" sowie als Rückfall in die „Sozialdisziplinierung" unter dem Deckmantel der sogenannten ”Mißbrauchsdebatte", H. H.

Dietz, Berthold: Soziologie der Armut. Eine Einführung. Frankfurt/M. (u.a.): Campus-Verl., 1997. 231 S.