„Die EU ist die beste Antwort, die man auf die Globalisierung finden kann." Gerd Walter, Europaminister des nördlichsten deutschen Bundeslandes Schleswig-Holstein, reiht sich geschickt dem dominierenden Tenor einer gemäßigt neoliberal ausgerichteten Tagung der Verwaltungsfachhochschule des Landes (im Mai 1998) ein. Standardsätze, geschickt vermischt mit - meist informativen - Statistiken und Diagrammen signalisieren ein Bemühen um Lösungsansätze. Da sich in Deutschland zu wenig bewegt, richten sich die Seitenblicke und Hoffnungen der meisten Referenten auf Länder, die - angeblich - schon das „Vollbeschäftigungswunder" geschafft hätten.

Vom „Jobwunder" in den USA zu etwas weniger wunderbaren Tendenzen in Japan, der Schweiz, Norwegen, Dänemark und den Niederlanden werden - u. a. von Sven Jochem - bekannte Instrumente wie Flexibilisierung und Deregulierung des Arbeitsmarktes, aber auch ein Verzicht auf soziale Errungenschaften sowie die Absenkung der Lohnnebenkosten angepriesen. Damit diese Ausrichtung nicht zu sehr sichtbar dominiert, wird zum Schluß noch einigen wenigen sozialen Integrationsprojekten Raum gegeben: einem „Mentoring"- und „Networking"- Frauenprojekt im deutsch-dänischen Grenzgebiet, der kommunalen Arbeitsmarktpolitik sowie der gemeinnützigen Zeitarbeit für Langzeitarbeitslose und Sozialhilfeempfänger. Alles Ingredienzien für Beruhigungspillen, die viele der Zuhörer und Leser in ihrem zu wenig innovativen Verwaltungsalltag ein Durchhalten ermöglichen sollen. M. R.

Europa ohne Arbeit? Arbeitslosigkeit, Beschäftigungspolitik, Integrationsprojekte. Hrsg. v. Klaus G. Schmidt. Opladen: Leske + Budrich, 158 S., DM 33,- / sFr 30,50 / öS 241,-