Das Motto "Der Name für Welt ist Wald" zieht sich wie ein roter Faden durch den vorliegenden Band. Die Nepalkennerin und engagierte Umweltjournalistin Ludmilla Tüting hat gemeinsam mit anderen eine Dokumentation erstellt, die Gründe und Folgen des Holzschlags in den Bergwäldern ebenso umfaßt wie Skizzen einer sinnvollen Lösung. Der Wald als wichtige Lebens-, Überlebensgrundlage für die Bergbevölkerung muß erhalten werden. Betroffene Völker und weltweit engagierte Naturschützer haben sich zu der Vereinigung "Forrest for Survival" zusammengeschlossen. Neben der Chipko-Bewegung aus Indien gehören ihr Organisationen aus Kenia, Brasilien, Nicaragua, den USA, die „Friends of the Earth International" und das "Environment Liaison Centre" an.

Die von Ghandis Ideen beeinflußte "Chipko-Bewegung" versucht neben Demonstrationen und Protestaktionen auch durch Aufklärung zur Erhaltung des Baumbestandes im Himalaya beizutragen. Es werden beispielsweise ökologische Entwicklungscamps abgehalten, die Einrichtung besserer Feuerstellen und Biogas-Anlagen forciert sowie Baumschulen eingerichtet. Für diese Initiativen wurde die Chipko-Bewegung 1987 mit dem Alternativen Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die Umweltprobleme im Himalaya sind  vielschichtig. Tüting spricht u. a. auch von "touristischer Umweltverschmutzung". Eine Trekkinggruppe mit zehn Teilnehmern, zehn Führern, mit Köchen und Trägern verbraucht in zwei Wochen 160 kg Holz - soviel, wie eine einheimische Familie in einem halben Jahr. Bereits vor Jahren betrug der Waldbestand Nepals nur noch 38% der Gesamtfläche. "Das Ministerium für ,Forest and Land Conservation' ließ aber im Januar 1984 erneut verlauten, daß 43% guter Wald notwendig seien, um das ökologische Gleichgewicht zu erhalten."

Es gibt aber auch ermutigende Projekte, etwa die "Annapurna Conservation Area" oder eine Furnierfabrik in Bhutan. "Nur 1% der Bäume um die Fabrik herum werden jedes Jahr gefällt, obwohl die natürliche Vermehrung zweieinhalbmal so groß ist. Und die Bäume, die gefällt werden, werden nach ökologischen und nicht nach ökonomischen Kriterien ausgesucht." Der oben zitierte Aufsatz beschäftigt sich ebenfalls mit der Chipko-Bewegung, doch steht hier der spirituell-politische Kampf im Mittelpunkt. Gebete, Opfer und das Umarmen der als heilig betrachteten Bäume sollen die Vernichtung des Bestandes aufhalten.

Tüting, Ludmilla: Erst sterben die Bäume ... In: esotera. 1988, Nr.6, S.50-55

Menschen – Bäume – Erosionen. Kahlschlag in Himalaya. Wege aus der Zerstörung. Ludmilla Tüting (Hrsg.). Löhrbach: W. Pieper's Medienexperimente, 1987. 131 S. (Der grüne Zweig; 120) DM 13,-/sfr 11,-/öS 101,40