Die Ökobilanz der Demokratie schaut bislang nicht besonders gut aus, so der Befund des taz- Umweltkorrespondenten Bernhard Pötter in der ökom-Reihe „quer gedacht“. Da die Ökodiktatur jedoch keineswegs besser wäre, schlägt der Autor das Konzept einer „Ökokratie“ vor. Diese erfordere „Beschränkung, um die Freiheit zu erhalten“ (S. 32), und zwar nicht nur die Freiheit der Andersdenkenden, sondern auch die der „anderswo Lebenden und der Nachgeborenen“. Ziel müsse sein, „die Ökologie soweit ins Zentrum der politischen Systeme zu stellen, dass unsere Gesellschaften eine Zukunft haben.“ (S. 31) Pötter fasst in „Ökokratie“ bekannte Vorschläge von höheren Preisen auf Ressourcen bis zu globalen CO2-Kontingenten zusammen, macht aber auch konkrete institutionelle Vorschläge wie ein „Maastricht II für Zukunftssicherung“ (also eine zumindest europäische vertragliche Einigung auf Ressourcenbegrenzung“) sowie eine „Zukunftsbank Europa“, die die ökologische, wirtschaftliche und soziale Zukunft Europas „für die nächsten hundert Jahre“ planen soll (S. 52 ff.). Man könnte nun einwenden, dass der Autor nur einen neuen Begriff geschaffen habe, aber er trifft den Kern des Problems insofern, als Umweltfragen beiliebe nicht jene Aufmerksamkeit erhalten, die nötig wäre. In der Einschätzung der Lage ist Pötter einig mit Luks: „Die multiple Umweltkrise kann man nicht aussitzen. Nichts ist gefährlicher als die Idee, der Status quo ließe sich halten.“ (S. 88) H. H.

 

Pötter, Bernd: Ausweg Ökodiktatur? Wie unsere Demokratie an der Umweltkrise scheitert. München: ökom-Verl.,, 2010. 93 S., € 8,95 [D], 9,20 [A], sFr 15,20 ; ISBN 978-3-86581-216