Überzeugt, dass Änderungen von Einstellungen - allmählich und kumulativ - "schließlich zu radikalen Umwandlungen menschlicher Gesellschaften und damit der Lage des Menschen führen", entwirft der Autor, eine der renommiertesten Persönlichkeiten der angloamerikanischen Friedensforschung, eine "Wissenschaft vom Konflikt bzw. vom Frieden" und rezipiert dabei unterschiedliche Denkansätze. Er macht dabei auf deren Muster und Grenzen aufmerksam. Der "psychologische Ansatz" etwa kann Phänomene wie Rassismus, Nationalismus, Feindbild-Verhalten erklären, Phänomene, die der Kriegsrechtfertigung und der Kriegspropaganda sowie der Rechtfertigung von Rüstungsmaßnahmen dienen. Die psychologisch-biologische These vom Krieg als Manifestation von Aggression lehnt der Autor strikt ab; die zunehmende Technisierung und damit Entindividualisierung des Krieges stehe diesem Erklärungsmuster entgegen. Der „ideologische Ansatz" durchleuchtet Begriffe wie Freiheit, Macht, Eigentum, Kollektiv, Kampf und deren Rolle in der Politik. Erhellt wird die Bedeutung von Macht und Gewalt in unterschiedlichen Staatssystemen, etwa im Faschismus, ein Beitrag widmet sich dem "Kult der Gewalt" im Terrorismus. Der Abschnitt schließt mit der Aufforderung zur Entwicklung von Ideologien, die das Überleben sichern, anstatt zur Auslöschung zu führen. Der dritte Abschnitt gilt dem "strategischen Ansatz". Die Verherrlichung von Kriegsstudien und -spielen - der Autor gibt viele anschauliche Beispiele - hätte militärische Auseinandersetzung intellektualisiert und damit der Realität entzogen. Dass die Abschaffung der Institution des Krieges der Überwindung des Rüstungssystems bedarf, also der Abrüstung der Militärs und Waffen, macht Rapoport im vierten Teil des Buches deutlich, das u.a. die Eigendynamik der Rüstungsindustrie, das "Subsystem" des Militärestablishments sowie die Dynamik des Wettrüstens thematisiert. Das abschließende und umfangreichste Kapitel ist der "Suche nach dem Frieden" gewidmet. Erörtert werden Ansätze des Pazifismus, verschiedene Konzepte einer "Weltordnung" im Sinne einer Kriegsverhütung (UNO, Kollektive Sicherheit u.a.) sowie Perspektiven einer Friedenswissenschaft und Friedenserziehung. Das aus einer vierjährigen Vorlesungsreihe an der Universität Toronto entstandene Werk lebt vom Umfang reichen historischen wie aktuellen Wissen des Autors, den vielen veranschaulichenden Zitaten, die von den Parabeln Tolstois über Werbeschriften für Kriegsspiele und Aussprüchen von Militärstrategien bis zu Reden amerikanischer Präsidenten reichen. Das reiche Material- das demnächst durch einen zweiten Band ("Frieden: Eine Idee, deren Zeit gekommen ist") ergänzt wird, ist in der Tat für ein Curriculum „Friedensforschung" prädestiniert. Ein "Lehrbuch ", das in keiner Studienbibliothek fehlen sollte. Friedensforschung Gewalt

Rapoport, Anatol: Ursprünge der Gewalt. Ansätze der Konfliktforschung. Darmstadt: Verl. Darmstädter Blätter, 1990. 623 S., DM 100,-1 sFr 84,80 1 öS 780