Oliver Ressler hat einen in mehrfacher Hinsicht bemerkenswerten Band über „Alternative Ökonomien – Alternative Gesellschaften“ herausgegeben. Er basiert auf dem mehrsprachigen Ausstellungsprojekt gleichen Titels des in Wien lebenden Künstlers und dokumentiert Sichtweisen von internationalen QuerdenkerInnen für ein anderes Wirtschaften und Zusammenleben. Nachzulesen sind die Texte nicht nur in deutscher, sondern auch in ungarischer Sprache, was neue Rezeptionskreise erschließt (überdies gibt es eine englisch/polnische Version).

 

Die vorgestellten Alternativen sind vielfältig: Der griechische Ökonom Takis Fotopoulus beispielsweise beschreibt sein Konzept einer umfassenden Demokratie, die US-Ökologin Chaia Heller stellt Grundzüge eines libertären Kommunalismus vor. Ihr Landsmann Michael Albert erläutert sein Konzept einer Partizipatorischen Ökonomie, die deutsche Feministin Maria Mies ihre Perspektive einer Subsistenzgesellschaft. Man findet Skizzen eines „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ des in Mexiko lebenden Ökonomen Heinz Dietrich, der eine postkonsumistische Demokratie anstrebt, die Perspektive „freier Kooperationen“ des Bremer Publizisten Christoph Spehr, das Modell von „Caring Labor“ der US-Ökonomin Nancy Folbre, „Social fantasies“ der femistischen Science-Fiction Autorin Marge Percy oder das Konzept eines neuen Zusammenlebens in überschaubaren Einheiten des Schweizer Untergrundautors P. M. (s. Rez. Nr. 2 in dieser PZ). Insgesamt sechzehn Gespräche werden wiedergegeben, die auch etwas über die Biographien bzw. das politische Gewordensein der Befragten wiedergeben. Ein ansprechender Band über ein ambitioniertes Projekt. Mehr zur Ausstellung ist zu finden unter www.ressler.at. H. H.

 

Alternative Ökonomien. Alternative Gesellschaften. Hrsg. v. Oliver Ressler. Wien: Promedia, 2008. 232 S. € 19,90 [D], 20,50 [A], sFr 33,80

 

ISBN 978-3-85371-291-7