"Nein, dies ist kein weiteres düsteres Weltuntergangsbuch über Ökokatastrophen mit ein paar nützlichen Ratschlägen am Ende, wie man den Müll sortiert." Mit diesem Satz haben sich die 28 Kinder und Jugendlichen (zwischen 11 und 25 Jahren alt)' die als Herausgeber des Buchs auftreten, eine klare Richtlinie gestellt. Ausgangspunkt war die Agenda 21, der Aktionsplan für das 21. Jahrhundert, den die Regierungen von 179 Ländern 1992 beim Umweltgipfel in Rio de Janeiro beschlossen haben.

Dieses Dokument sollte in eine für Kinder verständliche Fassung gebracht werden, ohne dadurch jedoch die Brisanz des Inhalts zu schmälern. An dem Buch arbeiteten 10000 Kinder und Jugendliche in 200 Gruppen aus 75 Ländern mit. Aus diesen wurden die 28 aktivsten dazu bestimmt, aus der Fülle der Beiträge ein gut lesbares Buch zu gestalten. Verwirklicht wurde dies durch Zitate von Schlüsselsteilen der Agenda, kurzen Stellungnahmen von Politikern, Fallbeispielen, erläuternden Texten und eine Fülle ausgezeichneter Zeichnungen. Als Resultat konnten die Herausgeber im November 1993 der UNO in Paris eine komprimierte Fassung der Agenda präsentieren, die einerseits durch Sprache (es werden z. B. Fachausdrücke im Anhang erklärt) und Layout Kindern entspricht, andererseits einen eindringlichen Appell darstellt, sich über die prekäre Situation unseres Planeten Gedanken zu machen und an der Verbesserung derselben mitzuarbeiten.

Die Herausgeber stehen der Agenda 21 durchaus kritisch gegenüber und bemerken zum Beispiel, dass im Urtext u. a. Themen wie Krieg und Militarismus, Diskriminierung und Nationalismus, Geburtenkontrolle, erneuerbare Energiequellen, Flüchtlinge, Menschenrechte, Konsum sowie Medien nicht ausführlich behandelt beziehungsweise einfach tabuisiert werden. Sie weisen auch auf die Kluft zwischen den Worten und Taten der Politiker hin, genauso wie sie erkannt haben, dass die Agenda 21, zu deren Verwirklichung man 600 Milliarden US-Dollar benötigen würde, wahrscheinlich nie vollständig in die Realität umgesetzt werden wird. Was nach solch ernüchternden Erkenntnissen dennoch bleibt, ist ein begeisterter Einsatz für die Idee, den Planeten Erde zu retten, von dem sich so mancher Erwachsene ein Stückchen abschneiden könnte.

Ch. H.

Rettungsaktion Planet Erde: Kinder der Welt zum Umweltgipfel von Rio - Peace Child International. Mannheim: Mayers Lexikonverl, 1994. 965., DM 25,-/sFr 23,-/ÖS 194