Im vorliegenden Band, der auf eine interdisziplinäre Tagung am Zentrum für Gerechtigkeitsforschung an der Universität Potsdam und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung zurückgeht, ging es um die Frage, was der Lösung vieler lokaler und globaler Umweltprobleme entgegensteht? Die Analyse von Barrieren umweltschützenden Entscheidens also, vor allem aber deren Überwindung steht im Mittelpunkt der 12 Beiträge aus Psychologie, Pädagogik, Soziologie und Ökonomie.

In der Zusammenschau wird zunächst deutlich, daß Umweltschutz auf verschiedenen Ebenen angesiedelt ist, dies gilt sowohl für die beteiligten Akteure (individuelles Handeln, Gruppen) als auch für unterschiedliche Umweltgüter (lokal umgrenzte bis gobale). Auch die Formen von Barrieren, die sich umweltschützendem Handeln und Entscheiden entgegenstellen, sind überaus vielschichtig. Fritz Reusswig etwa geht in seinem Lebensstilansatz davon aus, daß umweltschützendes Handeln durch jeweils milieuspezifische Hürden erschwert wird und jeweils unterschiedliche Wege zur Überwindung einzuschlagen sind. Leo Montada präsentiert eine Studie zu Umwelt und Gerechtigkeit und fokussiert Barrieren in Form wahrgenommener Ungerechtigkeiten. Er gibt jedenfalls gesetzlichen Verboten und einer höheren Besteuerung von Umweltbelastungen den Vorzug vor Subventionen und unverbindlichen Appellen (vgl. S. 90). Am Beispiel der Computernutzung und des Einkaufsverhaltens illustrieren W. Gessner und S. Bruppacher den „Koordinationszwang“, der dazu führt, „daß der einzelne aufgrund externer Zwänge zu umweltgefährdenden Kauf- und Konsumentscheidungen geführt wird“ (S. 251).

Um den Abbau von Hemmnissen kollektiven Handelns geht es H.-J. Mosler und H. Gutscher, die mit Hilfe von Computersimulationen zeigen, welche individuellen und kollektiven Faktoren individuelles Handeln in Großgruppen erschweren. Der Frage, wie Menschen in einem Stadtquartier veranlaßt werden, sich in ihrem Alltag umweltbewußt zu verhalten, gehen G. Lehwald und A. Billig am Beispiel Leipzig-Plagwitz nach. Sie zeigen, daß Umweltverhalten entscheidend durch Rahmenbedingungen und durch persönlichen Bezug zur eigenen Lebenswelt mitbestimmt wird.

Lösungen, so das Resümee, sind nur im Beschreiten multipler Ansätze erreichbar. Es müssen sowohl individualpsychologische als auch die äußeren Rahmenbedingungen, der soziale Kontext sowie grundlegende gesellschaftspolitische Strömungen berücksichtigt werden. A. A.

Umweltgerechtes Handeln. Barrieren und Brücken. Hrsg. v. Volker Linneweber ... Berlin (u. a.): Springer, 1999. 256 S. (Umweltnatur- & Umweltsozialwissenschaften) DM 98,- / sFr 89,50 / öS 716,-