Was sich anfangs wie eine kurze Historie der Probleme von Bergarbeitern im tschechisch-süd-ostdeutschen Bergwerksrevier liest, entwickelt sich schnell zur Tragödie der zuerst mißverstandenen und dann mißbrauchten Mineralie Uran. Da der Abbau von Silber seit Anfang des 16. Jahrhunderts für das böhmische Joachimsthal (seit 1918 Jáchymov) bis 1871 Wohlstand und den Bergleuten Prestige brachte, schuf er auch eine eigene relativ geschlossene Lebenswelt. Umso willkommener war es, daß ab 1848 das Uranerz für die Farbenerzeugung und später das herausfilterte Radium und Radon-Gas für Heilzwecke verwendet wurde. Ein Kurort mit Radium-Palast-Hotel war entstanden. Diese scheinbar heilende Welt mußten aber zunehmend die  Bergleute mit der vorerst unerklärlichen „Schneeberger Lungenkrankheit" bezahlen.

Der Großteil des Buches beschäftigt sich mit der Bewältigung dieser fatalen Folgen im südostdeutschen Bergwerksgebiet, aber auch mit der militärischen Nutzung des Urans durch das Dritte Reich und anschließend mit der Uranverarbeitung in der DDR, vorwiegend für die Sowjetunion. Nicht nur unter Hitler wurde „der Ersatz ‘wertvoller Volksgenossen’ durch Fremdarbeiter", aber auch durch Häftlinge angeordnet. Wohl auch zur „Vernichtung durch (Zwangs-)Arbeit". Jene wenigen mutigen DDR-Bürger, die schon vor 1989 vor den Umweltgefahren der Abraumhalden und der Aufbereitung warnten, erhielten erst Jahre später Publizität. U.a. auch beim „World Uranium Hearing" 1992 in Salzburg, das weltweite Parallelen aufzeigte, so z.B. beim Einsatz von Arbeitern aus indigenen Völkern (Beispiel die Navajos auf der Black Mesa in den USA). M. Rei.

Elsner, Gine; Karbe, Karl-Heinz: Von Jáchymov nach Haigerloch. Der Weg des Urans für die Bombe. Zugleich eine Geschichte des Joachimsthaler Lungenkrebses. Hamburg: VSA, 1999. 119 S., DM 24,80 / sFr 23,- / öS 181,-