In bewährter Manier sind hier beachtenswert tiefsinnige Einwände und Einsichten zu uns bewegenden Themen veröffentlicht. Das Spektrum reicht von einer fundierten Wissenschaftskritik durch E. Chargaff und einem Plädoyer für die "Sterblichkeit als Segen" (H. Jonas) über Streitfragen unserer Zukunft (Technikakzeptanz) durch G. Unseld bis zu den erhellenden Ausführungen W. Sachs' zur Kritik der Ökologie und "Zur Lage der (gesamtdeutschen) Nation" hinsichtlich ihrer Ökobefindlichkeit durch Ch. Schütze. J. Dahl gibt sich streitbar wie immer und spricht von Zynismus angesichts der immer wieder vorgebrachten Forderung, Umweltschutz fange zu Hause an. Er kritisiert das Festhalten an einer Art des Produzierens und Konsumierens, "der wir zwar alle Mißhelligkeiten letzten Endes verdanken, von der man gleichwohl inständig hofft, sie möge Bestand haben". Dahl spricht von der gnadenlosen Herrschaft des Geldes über das Nachdenken, "wenn dieses nicht der Erzeugung von Geld dient". Für ihn wird aus der proklamierten Pflicht zum Einzelengagement ein individuelles Recht: "das Recht des einzelnen, sich dem, was den Untergang herbeigeführt hat und noch begleitet, womöglich zu entziehen". Sein Resümee: Retten kann uns nur die Armut als ein "unausweichliches Verhängnis", denn: "Nur wenn uns einfach die Mittel fehlen, so viel Unfug in so großem Umfang zu begehen, (... ) ist ein Weiterleben zu denken." Schließlich sieht T. Bastian im Wassermangel einen Kriegsgrund der Zukunft, denn der Wasserbedarf steigt durch Bevölkerungszunahme und Industriewachstum weltweit, Staudämme wie am Oberlauf des Euphrat schließen Konflikte mit Nachbarn am selben Flußlauf nahezu zwangsläufig ein. In der jährlichen Papierlawine ist die "Jahresschrift für skeptisches Denken" ein absoluter Gewinn - keine Gebrauchsanweisung, aber doch Aufforderung zu Prüfung, Besinnung und Verzicht. AA

Scheidewege. Jahresschrift für skeptisches Denken. Jg. 21, 1991/92. Red.: Jürgen Dahl ... Baiersbronn: Verl. d. Max-Himmelheber-stiftung, 1991. 315 S., DM 28,- IsFr 24,- / öS 218