Warum Nationen scheitern

Daron Acemokglu und James A. Robinson liefern in ihrem Buch „Warum Nationen Scheitern“ ein starkes Argument für Inklusion als Ordnungsprinzip der Gesellschaft. Die von Staaten gewählten Regeln bestimmen darüber, ob sie wirtschaftlich erfolgreich sind. Das Wirtschaftswachstum hängt von Innovation und technologischem und organisatorischem Wandel ab. Diese Faktoren basieren auf den Ideen, Begabungen, der Kreativität und der Energie der Individuen. Die Fähigkeiten sind breit über die Gesellschaft verstreut. Ein Staat der weite Teile der Bevölkerung benachteiligt und Zugang zur Mitgestaltung verwehrt, wird zurückfallen. Der Schlüssel zum Erfolg sind deswegen inklusive Wirtschaftsinstitutionen. (S. 14)

In der Geschichte gab es jedoch eine Mehrzahl an Gesellschaftsformen, die die Autoren als „extraktiv“ bezeichnen. Sie garantierten nicht das Eigentum, sorgten nicht für Gesetz und Ordnung und faire Wettbewerbsbedingungen. Eliten herrschten auf Kosten der Mehrheit. Dieses ausschließende Herrschen sei kein intellektueller „Fehler“ der Eliten, sondern aus deren Sicht vernünftig, um die eigene Macht zu sichern. Das Schaffen von inklusiven Institutionen musste deswegen ein politischer, oft revolutionärer Akt sein. Erfolgreich waren diese Umwälzungen, wenn sie nicht von konkurrierenden Eliten, sondern von vielen Schichten der Bevölkerung gemeinsam getragen wurden. Großbritannien und die USA seien reich geworden, weil ihre Bürger die Machteliten stürzten und Demokratie und Rechtsstaat entwickelten.

Erfolgreiche Gesellschaften sorgen für die wirtschaftliche Integration breiter Teile der Bevölkerung, aber auch für politische Partizipation. „Ein freier Wettbewerb kann ohne diese breite Beteiligung am politischen Geschehen nicht überleben, und ein Mangel an politischer Zentralisierung macht die Entstehung sicherer Eigentumsrechte, einer verlässlichen Justiz sowie die Wahrung von Recht und Ordnung schwierig oder unmöglich.“ (S. 15)

Die Autoren verwerfen andere Erklärungsmuster für die Entwicklung erfolgreicher Gesellschaften. Weder die Geographie (vgl. Ian Morris „Die Welt regieren“,  Rezension in proZukunft 2/2011), noch Religion oder Kultur, noch die Qualität der politischen Führung bestimmen den Erfolg von Staaten.

Wenn die Religion ausschlaggebend wäre: Warum entwickeln sich dann z. B. katholische Regionen Europas völlig unterschiedlich? Wenn die Kultur (z. B. der Kolonisation) entscheidend wäre: Warum gingen die USA, Kanada und Nigeria als britische Kolonien völlig verschiedene Wege? Wenn die Geographie entscheidend wäre: Warum entwickeln sich Staaten, die geteilt wurden, völlig unterschiedlich? Wenn die Qualität der Führung entscheidend wäre: Warum waren Führer von nicht-erfolgreichen Staaten so vernünftig beim Verfolgen der eigenen (privaten, finanziellen) Interessen? Die Argumente von Acemoglu und Robinson sind überzeugend.

Acemoglu, Daron; Robinson, James A.: Warum Nationen scheitern. Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut. Frankfurt/M.: S. Fischer, 2013. 608 S., € 24,99 [D], 25,70 [A], sFr 35,-ISBN 978-3-10-000546-5

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