Solange ich hoffe, lebe ich

Kann angesichts verbreiteter Skepsis. ja vielfach grassierender Mutlosigkeit ernsthaft und glaubwürdig noch Hoffnung gestiftet werden? Laufen jene, die, allen Widrigkeiten zum Trotz, die zarte Pflanze Zuversicht im Auge behalten und kultivieren wollen, nicht Gefahr, den Horden der apokalyptischen Reiter zu unterliegen oder mit einem nachsichtigen Lächeln ins Abseits gedrängt zu werden? Im Ringen um mediale Aufmerksamkeit sind schrille Töne, gesteigert oft zu Szenarien des Schreckens, en vogue. Umso verdienstvoller ist ein Brevier, das der Hoffnung als Instanz des In-sich-Gehens und der daraus wachsenden Möglichkeit der Veränderung zum Positiven hin auf vielfältige Weise Raum gibt. Der Herausgeber, der sozialen Bildungsarbeit verpflichteter, freier Journalist und Sachbuchautor. hat in diesem Band 33 überwiegend sehr persönliche gehaltene Beiträge namhafter Vordenker unserer Zeit aus Wissenschaft, Politik, Kunst, Philosophie und Medien versammelt und in vier Abschnitte gegliedert.

Auf die Frage, ob denn die Hoffnung noch Zukunft habe, antworten u.a. Ritha Süssmuth, Robert Jungk („Zukunftswerkstätten” als Archen der Veränderung), Siegfried Lenz, der Philosoph Odo Marquard („Gegen die Übelstandsnostalgie der Wohlstandswelt”) oder Niklas Luhmann, für den Hoffnung die Möglichkeit der Abgrenzung zur Voraussetzung hat. Der zweite Abschnitt, “Gedanken zur Jahrtausendwende” überschrieben, enthält u. a. Beiträge von Dorothee Sölle, Horst W. Opaschowski – er ortet in sinnerfüllter Freizeit mit einem wachsenden Anteil gesellschaftlich honorierter Eigenarbeit ein schier unerschöpfliches Potential positiver Lebens- und Zukunftsgestaltung -, Paul J. Crutzen (sieht der Verminderung des Ozonlochs mit Zuversicht entgegen), E. U. v. Weizsäcker und Hubert Weinzierl, der für “Leben statt Haben” plädiert und Zukunftsfähigkeit mit praktizierter Rückbesinnung auf die Natur verknüpft, daß Hoffnung nicht außerhalb des Menschen, sondern im Inneren jedes einzelnen gegründet ist, und, wo verschüttet, wieder ans Licht gebracht werden kann, steilen u. a. I. Eibl-Eibesfeldt, I. Fetscher, aus theologischer Sicht Karl Lehmann und, m. E. besonders eindrucksvoll, weil in der Praxis der alltäglichen Beziehungsarbeit begründet, der Psychologe Michael L Möller dar. Der Abschied von der Illusion kollektiv gestifteter Hoffnung, die allen Ismen gleichermaßen eignet, und die Hinwendung zu individueller, in der persönlichen Begegnung und im Vertrauen gründender Veränderung ist bei aller Differenz des Zugangs die Grundlage der Überzeugung, daß Veränderung zum Besseren hin nicht nur denkbar, sondern machbar ist. W. Sp.

Solange ich hoffe, lebe ich. Hrsg. v. Diether W. v. Goddenthow. München: Koset. 1997. 208 S., DM / sFr 16,80 / öS 123

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