Alternative Ökonomie – Neue Sichtweisen & Modellvorschläge

Mit alternativer Ökonomie werden gemeinhin neue Eigentums- und Produktionsstrukturen, soziale Betriebe oder auch Selbstversorgerwirtschaften assoziiert. Die transdisziplinäre Forschungsgruppe „Alternative Ökonomie” – ein Zusammenschluß kritischer österreichischer WissenschaftlerInnen – zielt jedoch auf mehr: Der Blick auf Wirtschaft und Wirtschaftstheorien soll geschärft werden, soziale und kulturelle Aspekte dabei in den Mittelpunkt rücken. Neue Sichtweisen sollen letztlich zu neuen Konzepten führen. Nach Ina Paul-Horn geht es um dreierlei: 1. Auflösen von Selbstverständlichkeiten, 2. Anbieten von Modellvorschlägen, 3. Übersetzung dieser Modelle in neue Formen von Politik. (S. 65)

Im vorliegenden Band – eine Art Werkstattbericht – eröffnen Mitglieder der Forschungsgruppe einige solcher neuer Sichtweisen. Erich Kitzmüller skizziert – im Vorgriff auf das neue, in deutscher Übersetzung noch nicht erschienene Buch von Andre Gorz „Misère du présent, Richesses du possible” – ein Zukunftsszenario „über die Arbeitsgesellschaft hinaus”, in dem ein unbedingtes Basiseinkommen zum Hebel für die Neuverteilung entlohnter wie nicht entlohnter Tätigkeiten wird. In diesem Sinne favorisieren Luise Gubitzer und Peter Heintel in der Folge das Grundeinkommen gegenüber der an die Arbeitseinkommen gekoppelten Grundsicherung. Sie fordern übrigens für die Ökonomie einen längst fälligen „Lehrstuhl zu Einkommensverteilungstheorie und -politik” (S. 37).

Drei weitere Beiträge sind dem Thema „Geld” gewidmet, wobei die Rolle des Geldes als Steuerungsmedium, deren zunehmende Virtualisierung, aber auch deren symbolische Bedeutung erörtert wird: „Im Namen Dollar oder Mark meinen die Amerikaner oder Deutschen ihre Leistungsfähigkeit oder ihren Fleiß und damit sich selbst wieder zu erkennen”, so Wilhelm Berger (S. 46).

Aufschlußreich und amüsant zugleich liest sich nicht zuletzt ein Interview mit dem US-Futurologen Oiko Phil Nomos, der weltweit Aufsehen erregt hat mit der Prognose, 20 Prozent der Weltbevölkerung würden in Zukunft in der Lage sein, die Weltwirtschaft in Gang zu halten. Um einen Kollaps des Systems zu vermeiden, müßten die aus der Arbeit Freigesetzten, so Nomos, zukünftig mit Geld und Kaufkraft aus Dividenden, Spekulationsgewinnen u. ä. ausgestattet werden. Die politische Aufgabe bestehe daher im Zugriff auf die Gewinnfonds, dieser müsse „gleichsam als Bürgerrecht kodifiziert werden” (S. 53).

Reflexionen zum „gemeinsamen Lernen von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik” gemäß dem Wissenschaftsverständnis der Gruppe „Alternative Ökonomie” von Ada Pellert runden den Band ab. H. H.

Alternative Ökonomie. Hrsg. v. Erich Kitzmüller … Wien (u. a.): Springer, 1998. 120 S. (iff-Texte; 4) DM / sFr 35,- / öS 275,-

 

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