Geld regiert die Welt. Das wußten schon die alten Römer. Doch daß die Macht des Geldes sich keineswegs aus rationalen Quellen speist, macht der Autor überdeutlich. Der Crash des Jahres 1987 belege die ganze Irrationalität der internationalen Finanzmärkte. Diese seien kein Hort der Vernunft, hält Sampson dem Hohepriester des Monetarismus, Milton Friedman, entgegen. Dieser "Midas-Kult" trage vielmehr religiöse Züge. "Denn das Geld ist der Gott unserer Zeit und Rothschild sein Prophet", wußte schon der Dichter Heinrich Heine, der mit der Familie aus dem New Yorker Geldadel befreundet war. Und in der Tat: "Heute sind es nicht so sehr die Priester, sondern die Bankiers, die die Beichtgeheimnisse der Menschen hüten", stellt der Wirtschaftsjournalist fest.

Zwar sehen immer noch viele Zeitgenossen das Geld als "die fundamentalste Erfindung des Menschen" an, wie etwa der Herausgeber des Economist, Geoffrey Crowther. Doch selbst unter Bankmanagern wachsen die Zweifel an der Allmacht des Geldes. "Wir sind unfähig, innerhalb des gegenwärtigen Marktsystems Werte angemessen einzuschätzen", urteilt John Reed, der Vorstandsvorsitzende von Citicorp,  der größten amerikanischen Bank. Vor allem der Umweltkatastrophe und der Armut in der Welt wird nach Ansicht Sampsons mit den herkömmlichen Mitteln der Wirtschafts- und Finanzpolitik nicht beizukommen sein. So verweist er etwa darauf, daß trotz der scheinbar großzügigen Kreditpolitik internationaler Bankenkonsortien die meisten Entwicklungsländer Nettokapitalexporteure sind. Allein Mexiko verlor 1987 45 Milliarden Dollar durch Kapitaltransfers in die reichen Industrienationen.

Den Schutz der Umwelt will der Brite nicht dem freien Spiel der Kräfte globaler Konzerne überlassen. Nur nationale Regierungen könnten in enger Zusammenarbeit mit internationalen Gremien die Umwelt wirksam schützen. Sampson räumt in seinem Buch mit einigen Glaubenssätzen konservativer Wirtschaftswissenschaftler auf. So sei das japanische Wirtschaftswunder mit den höchsten Steuersätzen in der ganzen Welt erreicht worden. Vor allem aber müsse sich dort das Management nicht an den kurzfristigen Gewinnplänen orientieren, wie das sonst in der westlichen Welt üblich ist Die zu kurzen Entscheidungszeiträume in Politik und Wirtschaft hat ja auch Robert Jungk immer wieder kritisiert und deshalb für das Konzept einer über die in westlichen Demokratien üblichen vier- oder fünf jährigen Wahlperioden hinausreichenden "Dritten Kammer" für über die Tagespolitik hinausgreifende Entscheidungen geworben. In dem Buch werden aber auch Hinweise auf die wahren Ursachen für den "Geld-Kult" unserer Zeit gegeben. Demnach beruhe doch die wirtschaftliche Dynamik von Menschen im Exil auf einer Einschränkung der Lebensziele und darauf, daß diese von ihren ursprünglichen kulturellen Wurzeln abgeschnitten waren. Der Verlust an traditionellen Bindungen durch das Projekt der Moderne also als des Übels Wurzel? Ein Manko des 1995 wiederaufgelegten Titels aus dem Jahr 1989 ist, daß auf die seit einigen Jahren laufende Diskussion zur Ökologisierung der Steuerpolitik nicht eingegangen werden konnte.

E. H.

Sampson, Anthony: Globalmacht Geld. Der neue Reichtum oder Warum Geld die Welt regiert. München: Heyne, 799 S., DM 76,90 /  sFr 74,35 / ö5 732,-