Die Befürworter alternativer Arbeits- und Lebensformen, deren Vorstellungen von freien, selbstbestimmten Gemeinschaften nicht selten als unrealistisch und weltfremd zurückgewiesen werden, können die Geschichte selbst als Zeugin ihres Ideals anführen. An zwei historischen Beispielen zeigt der Autor, in welcher Form selbstverwaltete Gemeinschaften existieren konnten, bis sie von konkurrierenden Kräften unterdrückt wurden. Im mittelalterlichen Dorf bildete sich trotz feudaler Herrschaft eine zuweilen weitgehend selbständige, kommunitäre Praxis heraus. Die Dorfgenossen regelten als Gleichwertige ihre Angelegenheiten, ehe der wachsende Widerspruch zwischen freier Dorfgemeinde, feudalen Strukturen und den aufkommenden Territorialstaaten im allgemeinen Bauernkrieg von 1525 zum Untergang der Dorfgemeinschaft führte.


Die Siedlungsgemeinschaften der „Neuen Welt" nahmen diese Traditionen jedoch wieder auf. Der anfänglich weitreichenden Selbstorganisation der Bauern und Arbeiter in den Communities wurde infolge ökonomisch-kapitalistischer Interessen und zentral- bzw. bundesstaatlicher Verwaltung schließlich die Grundlage entzogen.

Fristet die (idealisierte?) Kommune als lebenspraktischer Entwurf politischer oder religiöser Minderheiten auch ein Schattendasein, so hat sie doch an Ausstrahlung bis heute nichts eingebüßt. Auf der Suche nach neuen Modellen des Zusammenlebens kann der Blick zurück nicht nur Sicherheit geben, sondern auch Perspektiven für die Zukunft eröffnen. Denn mit Schibel - und gegen Marx - darf vermutet werden, daß der Niedergang der Kommune nicht unabdingbares Gesetz ist. Gerade deshalb lohnt die Aneignung der Überlieferung und die Lektüre dieses reich illustrierten Bandes, auch wenn sein Erscheinen schon etwas zurückliegt.

Schibel, Karl-Ludwig: Das alte Recht auf die neue Gesellschaft. Zur Sozialgeschichte der Kommune seit dem Mittelalter. Frankfurt/Main: Sendler, 1985, 282 S. DM 32,- / sfr 26,80 / öS 249,60