Das Buch von Hans-Jürgen Warnecke zählt zu jenen Werken, deren Entstehungszusammenhang mit dem Paradigmenwechsel in Wirtschaft und Industrie (von Piore/Sabel als "Ende der Massenproduktion" charakterisiert) zu identifizieren ist und in denen "biologische" Modelle als Erklärungszusammenhang adaptiert werden (wie etwa im vielbeschriebenen Konnex zwischen Marktwirtschaft und Chaos-Theorie). Diese Modelle werden zunehmend gerade von Managern übernommen, um neue betriebliche Organisationsformen zu diskutieren. Die "Fraktale Fabrik" beruht auf dem ,natürlichen' Prinzip des Aufbaus komplexer Strukturen aus wenigen einfachen Bausteinen. In einem immer komplizierter werdenden System, so Warnecke, muß Steuerung versagen. Das Modell der "Fraktalen Fabrik" setzt dagegen auf folgende Prinzipien: - "Selbstorganisation": Alle "Fraktale" (Mitarbeiter, Unternehmensführung etc.) organisieren sich von selbst optimal; Selbstähnlichkeit": Alle" Fraktale" sind eigentlich Unternehmen im kleinen und haben daher letztlich die gleichen Ziele, daher verläuft der Zielfindungsprozeß per definitionem widerspruchsfrei. Bei allen positiven Intentionen dieses Konzepts (Vorrang des Menschen gegenüber der Technik, keine strengen Hierarchien, hochqualifizierte Berufe, Transparenz von Entscheidungen und Abläufen) liegt gerade in diesem „Harmonisierungsgesetz" das große Problem des Ansatzes, von dem letztlich nur ein Programm zur Produktivitätssteigerung übrig bleibt. Ein Zitat des Autors bestätigt diese Kritik: "Die Produktivität deutscher Unternehmen könnte um 20 Prozent höher sein, wenn man die menschlichen Reibungsverluste ausschalten würde." Mit Aussagen wie dieser geht der zukunftsweisende, emanzipatorische Anspruch, den dieses Organisationsmodell auch erhebt, gänzlich verloren. J. P.

Warnecke, Hans-Jürgen: Die Fraktale Fabrik. Revolution der Unternehmenskultur. Unter Mitarb. v. Manfred Hüser. Berlin (u. a.): Springer-Verl., 1992. 238 S., DM 48, - / sFr 40,70 / öS 374,40