Das Buch faßt eine Konferenz über das Gesundheitswesen für die Frauen zusammen, die 1991 unter der Patronanz des Nationalen Rats für internationale Gesundheitsfragen durchgeführt wurde. Jodi L. Jacobson vom Worldwatch Institut leitet den Band mit der provokanten Bemerkung ein, daß "zwei von drei Frauen in der Welt heute unter der schwächendsten Krankheit leiden, die die Menschen kennt". Diese Krankheit ist die Armut, und ihre verbreitetsten Symptome sind Unterernährung, chronische Blutarmut und schwere Erschöpfungszustände. Die Gesundheitsanliegen der Frauen finden wenig Beachtung, weil ihre Stimmen in den politischen Kreisen kaum gehört werden. Engagement und Führungsstärke sind notwendig, um die Strategien des Gesundheitswesens neu zu orientieren, die Bildung der Frauen zu verbessern und Gesetze zu erzwingen oder anzuwenden, die den Status der Frauen verbessern. Andere Beiträge befassen sich mit der Gesundheitsvorsorge für Mütter, der Ernährungssituation während der verschiedenen Lebensphasen der Frau, der unverhältnismäßigen Erkrankungshäufigkeit von Frauen an Infektionen und der Familienplanung als Fundament für Aufgaben wie Dienste der weiblichen Fortpflanzungsmedizin. Weitere Beiträge analysieren die weithin riskante Abtreibung, die Millionen vorzeitiger Todesfälle, die Frauen aufgrund unterschwelliger sexistischer Vorurteile erleiden und Gewalt gegen Frauen ("vielleicht die weitverbreitetste, aber am wenigsten zur Kenntnis genommene Menschenrechtsverletzung überhaupt"). Es geht weiter mit Analysen der psychischen Gesundheit von Frauen (wofür die wirtschaftliche Abgesichertheit eine notwendige, aber nicht zureichende Voraussetzung darstellt), den Zugang zum Gesundheitswesen, die Qualität des Gesundheitswesens in den Entwicklungsländern und die Bedeutung von Zuhören und Gespräch als grundlegendes Organisationsprinzip eines Gesundheitswesens für Frauen. "Die Papiere der Konferenz unterstreichen, daß die effektivste Methode, die Gesundheitssituation einzelner Frauen nachhaltig zu verbessern, die Arbeit mit Frauengruppen ist." Das kann erreicht werden, indem Frauennetzwerke und ihre Mittel ausgebaut werden, wodurch sich das gemeinsame Problembewußtsein verstärkt und die Bedürfnisse fokussiert werden. Die Ermutigung von Frauen, ihre eigenen Bedürfnisse zu artikulieren und dafür einzutreten, ist wahrscheinlich eine bessere Entwicklungspolitik, als bestimmte Hilfsgüterkontingente abzuliefern. W. R).

The Health of Women: A GIobaI Perspective. Hrsg. v. Marge Koblinsky ... Boulder, Colorado: Westview Press, 1993. 291 S., US $ 49,95