Shirin Ebadi

Das hat der Prophet nicht gemeint

Ausgabe: 2017 | 1

Dass ein toleranter, hoffnungsvoller Islam möglich ist und auch gelebt wird, zeigt das schmale Büchlein, in dem die iranische Friedensnobelpreisträgerin, Dissidentin, Frauen- und Mädchenrechtsaktivistin Shirin Ebadi ihre Sicht auf den Islam präsentiert; kommentiert von der Nahostexpertin Gudrun Harrer.

Aufgewachsen in einer liberalen aber religiösen Familie, erlebte die studierte Juristin die islamische Revolution im Iran, welche die Situation für Frauen dramatisch verschlechterte. Ebadis Motivation, den Iran nicht zu verlassen, war vom Wunsch geprägt, zur Unabhängigkeit von Frauen beizutragen, um sie aus dem Opfer-Status zu befreien. Ebadi kritisiert die selektiven Sichtweisen auf den Koran, sowohl im Westen als auch von radikalen Islamisten. Für sie ist der Islam vereinbar mit Menschenrechten, wobei Ebadi als Gläubige auftritt, die sich für eine differenzierte Auslegung ihrer Religion einsetzt. Shirin Ebadis Biographie beweist, dass Islam und humanistisch-feministisches Engagement einander nicht ausschließen. Stattdessen kann der Islam auch ein kraftvoller Antrieb für Veränderung sein, wie Ebadis bemerkenswerte Menschenrechtsarbeit gezeigt hat.