„Wird die Erde doch nicht wärmer?“, so titelt die Wochenzeitschrift „Die ZEIT“, um Argumente der Skeptiker der Klimaerwärmung, insbesondere das neue Buch „Die kalte Sonne“ von Fritz Vahrenholt kritisch zu hinterfragen. Die umstrittenen Behauptungen des RWE-Topmanagers Vahrenholt sind Anlass genug, einen Blick auf die Argumente der Leugner der Klimaerwärmung zu werfen. Vahrenholt und sein Co- Autor Lüning behaupten, dass „die globalen Temperaturen nur zum geringeren Teil vom C02-Ausstoß beeinflusst werden“ und zumindest die Hälfte der bisherigen Erderwärmung auf eine verstärkte Aktivität der Sonne zurückgeht. Beide widersprechen auch dem vom Welt-Klimarat (IPCC) prognostizierten Temperaturanstieg. Wahr ist zweifellos, dass der Klimawandel etwas immanent Ungemütliches hat: „Wer lässt sich schon gerne sagen, dass der eigene Lebensstil im Grund verantwortungslos ist.“ Die Autoren des ZEIT-Artikels fragen aber, ob Vahrenholts Beitrag die „Klimaskeptiker“ hierzulande ermuntern und eine neue ökoreaktionäre Bewegung auf den Plan rufen wird. Ein Blick auf andere Länder zeigt, dass es in vielen Staaten (etwa den USA, Australien, Großbritannien und China) einflussreiche Skeptiker gibt. „Mit tatkräftigem Beistand der Ölindustrie haben die hartnäckigen Leugner der Erderwärmung dort [in den USA] die Debatte vollständig gedreht und den Begriff des ‚Warmisten’ als Schimpfwort etabliert – als Bezeichnung für einen, der noch an Klimaerwärmung glaubt.“ (S. 35) Ähnliche Tendenzen sind auch in der Diskussion um die Energiewende zu konstatieren, denn nach der Analyse des angeblich gar nicht so dramatischen Klimawandels gibt das Duo Vahrenholt/ Lüning auch hier Entwarnung. Sieben Thesen (im folgenden kursiv gesetzt) der Autoren widerspricht Zeit-Redakteur Toral Staud mit folgenden Gegenargumenten: 1. Seit 1998 ist der Klimawandel gestoppt: Hier werden kurzfristige Temperaturschwankungen mit langfristigen Klimatrends vermischt, Klima gilt in Fachkreisen als 30-jähriger Mittelwert. 2. Die Behauptung, die Hockeystick-Kurve (Analyse zur Temperatur der letzten Jahrhunderte von Michael Mann aus dem Jahre 1998) ist eine Fälschung: Das US-amerikanische National Research Council kam 2006 zum Ergebnis, dass Manns Grundaussagen trotz Mängel stimmen. 3. Die Sonnenaktivität ist für die Erderwärmung hauptverantwortlich: Nach Ansicht der meisten Forscher trägt diese allerdings nur etwa ein Zehntel zur Erderwärmung bei. 4. Die kosmische Strahlung befeuert den Klimawandel: Forschungen zeigen, dass kosmische Teilchen viel zu klein sind, um als Wolkenkeime zu dienen. 5. Wegen sinkender Sonnenaktivität wird die Erderwärmung eine Pause einlegen: Andere Befunde hingegen erwarten von der Sonne einen Kühleffekt von lediglich 0,06 Grad bis höchstens 0,3 Grad Celsius – bei einer laut IPCC bis 2100 zu erwartenden Erderwärmung von zwischen 1,1 und 6,4 Grad. 6. Die Behauptung, der IPCC manipuliere die Klimaforschung: Überprüfungen der IPCC-Studien durch unabhängige Experten widerlegen auch diese Feststellung. 7. Die Erderwärmung legt derzeit eine Pause ein und deshalb hätten wir Zeit für die Energiewende: Diese Behauptung wir als politische Forderung gehalten, die klimawissenschaftlich untermauert werden sollte. Ohne Vahrenholts Annahmen zu kennen, ist es fraglich, ob es reicht, sieben Thesen herauszupicken und diese mehr oder weniger salopp zu widerlegen. In einem „Experten-Check“ über „Die Mär von der ‘kalten Sonne’“ äußert sich dazu Jochen Marotzke, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie, in einem Interview mit Uli Weih auf nachrichten.t-online.de (v. 10.2.2012). Jürgen Langenbach schreibt wiederum eine wohlwollende Rezension zum Buch in der Österreichischen Tageszeitung „Die Presse“ (unter diepresse.com/home/science[Klima]). Festzuhalten bleibt – ob nun die Klimaerwärmung mehr oder weniger stark ausfällt (unter diepresse. com/science/(Klima) publiziert die Tageszeitung „Die Presse“ eine Beitrag darüber) – dass unsere fossilen Ressourcen endlich sind und deshalb kein Weg an der Umstellung auf regenerative Energien vorbeiführt. A. A.

Wird die Erde doch nicht wärmer? Die Zeit v. 9. 2. 2012, Nr. 7, S. 35-37