Das Bruttosozialprodukt gilt seit langem wegen seiner mangelnden Aussagekraft über die tatsächlichen Folgen des Wirtschaftens als unzulänglicher Parameter. Auf der Suche nach genaueren Indikatoren ist in den letzten Jahren eine Vielzahl von Konzepten entwickelt worden, die Sozial- und Umweltverträglichkeit zu erfassen und zu bewerten suchen. Die neuesten Entwicklungen auf diesem Gebiet, aber auch Möglichkeiten der praktischen Umsetzung werden im vorliegenden Sammelband vorgestellt. Christian Leipert beschäftigt sich mit den Folgenkosten des Wirtschaftens. Er sieht das Hauptdefizit der Bruttosozialprodukt (BSP)-Rechnung darin, dass das Naturvermögen als Grundlage jeglicher Produktion und jeglichen Konsums ausgeblendet bleibt. Nach seiner Rechnung stieg das BSP zwischen 1970 und 1988 um rund 565 Mrd. DM und ging in diesem Zeitraum mit einem Anstieg der defensiven Ausgaben von über   117 Mrd. DM einher: ,,21 % des Wachstums des BSP werden mithin durch den Anstieg der kompensatorischen Kosten der Schadensregulierung ,aufgefressen'". Mit der Frage, wie das BSP unter Umweltaspekten modifiziert werden könnte, bzw. wie Umweltberechnungen in den Rahmen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung eingefügt werden könnten, beschäftigt sich C. Stahmer. Er hält für absehbare Zukunft die traditionellen Berechnungen, erweitert um ein Rechenwerk für die Darstellung der ökonomisch-ökologischen Zusammenhänge in einem "Umwelt-Satellitensystem" für ausreichend, wie es seit einigen Jahren vom Statistischen Bundesamt vorgeschlagen wird. Es hätte die Aufgabe, umweltrelevante Kosten in der VGR zu identifizieren, die Auswirkungen des Wirtschaftsprozesses auf die Umwelt mit Daten der VGR zu verknüpfen, gesamtwirtschaftliche Indikatoren für die Umweltbelastung durch die Wirtschaftstätigkeit zu entwickeln und Modellrechnungen zu ermöglichen, in denen die herkömmlichen Wirtschaftsmodelle um ökologische Fragestellungen erweitert werden können". Hans Diefenbacher stellt die wichtigsten Ergebnisse und methodischen Probleme des von Clifford Cobb in den USA erstellten "Index of Sustainable Economic Welfare" im Vergleich zwischen den USA und der Bundesrepublik dar. Die Würdigung des Konzepts der Produktlinienanalyse als möglichem zentralen Mosaikstein einer ökologisch und sozial orientierten Wirtschaftspolitik, die Bewertung der Umwelt in Form von Makro-Indikatoren in den Niederlanden und die ökologische Buchhaltung als innovatives Instrument kommunaler Kostenbilanzierung.

Wachstum und Wohlstand. Neuere Konzepte zur Erfassung der Sozial- und Umweltverträglichkeit. Hrsg. v. Hans Diefenbacher ... Marburg: Metropolis-Verl., 1991. 144 S. (Ökologie u. Wirtschaftsforschung; 3) DM 22,-lsFr18,60/öS 171,60