Den von Herman Daly, John und Clifford Cobb für die USA entwickelten und von Hans Diefenbacher auf die BRD übertragenen Index of Sustainable Economic Welfare (ISEW, vgl. etwa * PZ 3/95, Nr. 332) haben Autoren, Absolventen der Wirtschaftsuniversität Wien, in einer zweijährigen Studie für Österreich adaptiert und weiterentwickelt. Zum Vorgehen: Einer aus privatem, öffentlichem und zukünftig zu erwartendem Konsum sowie einem mittelfristigen Leistungsbilanzsaldo errechneten “Konsumbasis" wurden die sogenannten “Abzugsposten" der sozialen und ökologischen Defensivkosten gegenübergestellt. Das Ergebnis: Der hieraus resultierende reale Wohlstand der Österreicherinnen stagniert seit Beginn der 80er Jahre, obwohl das Bruttosozialprodukt weitergewachsen ist.

Der Grund: Die sozialen und volkswirtschaftlichen Kosten durch Verkehrsunfälle, Krankheiten, starkes Pendlerwesen und die ökologischen Defensivkosten aus Umweltreparaturmaßnahmen nehmen zu. Boden- und Wasserverunreinigung oder Lärmbelästigungen, ergänzt um die langfristigen Umweltschäden durch nichtnachhaltiges Wirtschaften sind stärker gestiegen als die Wirtschaftsproduktivität insgesamt. Dieser im BIP nicht enthaltene "Leerlauf" der österreichischen Wirtschaft, dem zusätzlich jene Wohlstandsverluste addiert wurden, die aus einer ungleichen Verteilung der Einkommen resultieren, ist von rund 10 % 1955 auf ca. 20 % 1978 gewachsen und bis 1992 auf "dramatische 45 %" des BIP gestiegen: "Das heißt, daß nahezu die Hälfte der gesamten Produktion nicht mehr wohlstandswirksam wird."

Auch wenn mancher Berechnungsmodus, so etwa der "Abzugsposten " der defensiven, also durch krankmachende Arbeits-, Lebens- und Umweltbedingungen induzierten Gesundheitsausgaben - die Autoren schlugen 50 % der Gesamtgesundheitsausgaben diesem Bereich zu - sowie die auf Schätzungen angewiesenen ökologischen Langzeitschäden oder auch die Berücksichtigung verteilungspolitischer Fragen auf Widerspruch stoßen werden, so kann dies die Grundthese der Studie keinesfalls widerlegen. Der Schlußfolgerung der Autoren, wonach Fragen des Wohlstandes eine gesellschaftliche Wertung der Produktion voraussetzen, was "konsequenterweise die Abkehr von der Idee der Neutralität wirtschaftspolitischer Ziele" bedeute, ist ohne Einschränkung beizupflichten.

H. H.

Der Index of Sustainable Economic Welfare. Eine empirische Studie zur Wohlstandsentwicklung in Österreich von 1955 bis 1992. Stockhammer, Engelbert ... (Mitarb.). Wien: Eigenverl. 7995. 526 S., DM / sFr 100,- / öS 700,-; Kurzfassung 55 S., DM / sFr 75,- / öS 100,- (Zu bestellen bei: Interdisziplinäres Institut für Umwelt und Wirtschaft, Althansstr. 57, A-7090 Wien, Tel. 0222/37336-4847, Fax KI. 709)