In Frankreich hat das Buch des französischen Philosophen in wenigen Monaten mehr als 150.000 Leserinnen erreicht und heftige Debatten ausgelöst. Schon das Umschlagbild - ein Ausschnitt aus Michelangelos Fresko "Die Erschaffung Adams", auf dem nur der Arm Adams zu sehen ist - weist auf die grundlegende These des Buches hin: Gott, das Göttliche, die Transzendenz im traditionellen Sinne ist aus unserer Welt verschwunden. Übrig bleibt Adam, der Mensch, der vergöttlicht wird.

Was bleibt am Ende von Theologie und Ethik, die religiös begründet wird? Was ist dann das Maß aller Dinge? Gibt es noch Grenzen für die Menschen - und wer setzt sie? Diese Fragen umkreist der Autor anhand der Auseinandersetzung zwischen Eugen Drewermann und Johannes Paul II mit der Moralenzyklika 'Veritatis splendor‘, der Entwicklung der Ehe als gesellschaftliches Erfordernis und Konvention, der Bioethik und der Politik.

Der Ausweg: der "transzendentale Humanismus" (S.240 ff): die Humanitas des Menschen als Geheimnis, das über den Menschen hinausweist. Eine Rückkehr zu Autoritätsargumenten (wie in manchen fundamentalistischen Kreisen gefordert) lehnt Ferry ab, plädiert aber für eine Erneuerung der christlichen Botschaft durch den spiritualistischen Humanismus, der Werte vertritt, die nicht in einer autoritären Offenbarung, sondern im menschlichen. Bewußtsein wurzeln, trotzdem aber einen rätselhaften Anteil bewahren - jenseits des Vernunftprinzips.

S.A.

Ferry, Luc: Von der Göttlichkeit des Menschen oder Der Sinn des Lebens. Wien: Zsolany, 1997. 287 S., DM 39,80 IsFr 37,- öS 291,-