Der Untertitel scheint zu kurz gegriffen, denn neben dem zugegebenermaßen - zentralen Punkt der Verantwortung werden v a. religiöse Aspekte im Spannungsfeld von Glauben und Lehre bzw. Kirche und ihre Mitglieder thematisiert. Auf den ersten Blick ist der Zusammenhang dieser Themenmischung nicht klar ersichtlich, aber es gibt vier Grundmotive, die sich durch die drei Großkapitel ziehen: die Entwicklung der Phänomene in der Gegenwart, ihre Zukunftsorientiertheit, ihr Konfliktpotential und die mögliche Konsensfindung durch Dialoge unterschiedlicher Art. Für die Argumentation in allen Problemkreisen beruft sich Huber auf verschiedene Bibelstellen, hauptsächlich aus den Evangelien und den Paulusbriefen. Mit Bezug auf die Zukunftsverantwortung entwickelt der Autor zunächst die Begriffsgruppe "normative Ethik", "Gesinnungsethik" und "Verantwortungsethik" , fußend auf den Arbeiten von Dietrich von Otten und Stephan Pfürtner. Hierbei prägt die normative Variante die Gesetzgebung von oben, die Gesinnungsethik ist bestimmt von subjektiven Präferenzen und schließlich repräsentiert die Verantwortungsethik jene Variante, die unter Berücksichtigung des entgegengesetzten Standpunktes auf die Zukunft gerichtete Problemlösungen anstrebt. Diese Art der Verantwortung sollte zugunsten einer" menschenwürdigen und -möglichen" Zukunft Anliegen von Gläubigen und Intellektuellen sein.•Huber nennt Beispiele, wo diese Verantwortung ernstgenommen wurde. Aber aus dem Kontext wird deutlich, dass ein Großteil der genannten Gruppen in ihren Überlegungen entweder zu sehr der Gegenwart verhaftet bleiben, die Hoffnung auf eine "positive Zukunft" verloren haben oder nicht bereit sind, die Probleme und ihre Lösungsmöglichkeiten von verschiedenen Seiten zu beleuchten. 

Huber, Wolfgang: Konflikt und Konsens. Studien zur Ethik der Verantwortung. München: Kaiser-Verl., 1990. 362 S., DM 54,- / sFr 45,80 / öS 421,20