"Dialog ist ein Gespräch zwischen zwei oder mehreren Personen mit voneinander abweichenden Anschauungen mit dem primären Ziel, dass jeder Teilnehmer vom anderen lernt, um sich zu ändern und innerlich zu wachsen." In Zeiten wachsenden Widerstands gegenüber allem, was als fremd und anders empfunden wird, verweist Leonard Swiddler eindringlich auf die Notwendigkeit der grenzüberschreitenden Auseinandersetzung mit uns fremden, anderen Interpretationen der Wirklichkeit. Swiddler, Professor an der religionswissenschatlichen Fakultät der Temple-University, Philadelphia, propagiert den interreligiösen und interideologischen Dialog als Mittel zukünftigen Theologisierens: eine Abkehr von als absolut geltenden wahrheitsbegriffen, eine Hinwendung zur gemeinsamen Erkenntnis gemeinschaftlicher Wurzeln aller Weltreligionen. "Heutzutage wissentlich den Dialog abzulehnen, kann ein Akt fundamentaler menschlicher Verantwortungslosigkeit sein - ... eine' Sünde." In Dialog treten bedeutet zwangsläufig, sich anderen Einsichten zu steilen (ohne die eigenen zu verleugnen) und beinhaltet ebenso die Aufforderung zum veränderten Handeln. Neben der Bereitschaft dazu bedarf es einer gemeinsamen sprachlichen Grundlage. Swiddler entwirft in Grundzügen ein "ökumenisches Esperanto", eine interkulturelle Sprache also, deren Grundlage "in einer gemeinsamen Humanität liegt, die im Transzendenten eingebettet ist". Keine intellektuelle Geistesübung schwebt Swiddler vor, sondern eine Form der Auseinandersetzung, die alle Sinne aktiviert. Der religiöse, ideologische Denker müsse danach streben, "alle Einsichten in die Bedeutung des Menschlichen, einschließlich der Einsichten außerhalb unserer westlichen Kultur, miteinzubeziehen ". Derart verstanden, entstünde eine Weitsicht "von unten und von innen", frei von Indoktrination und aufgepfropfter Ideologie: ein immer weiter werdendes „wir'". " Swiddler ist Realist genug, um zu wissen, dass sein Buch lediglich einer begrenzten Zielgruppe zugänglich ist - die Umsetzung seines Vorschlags bedarf nun einmal eines fortgeschritteneren geistigen Horizonts. Gerade weil der Vatikan sich entgegen allen Aufforderungen zum interreligiösen Dialog im zweiten vatikanischen Konzil vermehrt auf fundamentalistische Positionen zurückzieht (und damit die Wirklichkeitserfahrung von Millionen Gläubigen betoniert), ist dies ein wichtiges Buch. Ein Anstoß lediglich, aber einer, der ein wesentliches "morphogenetisches Feld" für eine freie und umfassende "Zukunft der Theologie" erzeugen könnte. P.A.

Swiddler, Leonard: Die Zukunft der Theologie. Im Dialog der Religionen und Weltanschauungen. Regensburg (u.a.): Pustet (u.a.), 1992, 104 S., DM 19,80/ sFr 17,- / öS 155