Es scheint unbestreitbar: Die Herausforderungen, denen wir zu Ende dieses Jahrtausends gegenüberstehen, verlangen nach Richtlinien, die dem Einzelnen wie auch dem Kollektiv Entscheidungshilfe sein können, ohne zugleich die Errungenschaften eine pluralistischen Ordnung in Frage zu stellen. An den Platz gescheiterter oder nur noch kurzsichtigen Erfolg versprechenden Ideologien (Staatssozialismus, Neokapitalismus, Japanismus) möchte Küng eine "globale Ethik" setzen. Planetare Verantwortung fü r die Zukunft macht eine Koalition von Glaubenden und Nichtglaubenden erforderlich und den Religionen zur Aufgabe, das Gemeinsame über das Trennende zu stellen. Präzise Forderungen an eine postmoderne, humane Gesellschaft verbindet Küng mit deutlicher Kritik an den christlichen Kirchen, ohne jedoch den Wert religiöser Bindung selbst zu leugnen. Selbstkritik und Standfestigkeit sind ihm die Wegmarken ernsthafter Dialogbereitschaft im ökumenischen Prozess, der über Anfänge bisher nicht hinausgekommen ist. Diesen zu fördern und mit "Sachlichkeit und Sympathie globale Analysen und Perspektiven zur religiösen Lage der Menschheit" in den Blick zu rücken, ist Ziel eines Forschungsprojekts, dessen Richtlinien Küng abschließend skizziert: In Abgrenzung von den geschichtsphilosophischen Konzeptionen Hegels, Spenglers und Toynbees setzt der Autor auf eine interdisziplinär ausgerichtete "Paradigmentheorie". 

Küng, Hans: Projekt Weltethos.  München:  Piper,  1990. 192 S., DM 19,80/ sFr 17,60/ ÖS 154,40