Dem Arbeitskreis geht es neben der Erörterung theologisch-ethischer Aspekte des Reisens um die Umsetzung einer neuen, umwelt- und sozialverträglichen Reisepraxis. Die Voraussetzung für eine solche Wende ist eine Einstellungsänderung auf breiter Basis. Zunächst werden Boomfaktoren des Tourismus als Folgewirkung des Fortschritts (H. Müller) beschrieben: In Mallorca tummeln sich jährlich über 8 Mio. Touristen, der Flughafen erlebt pro Wochenende oft bis zu 1000 Starts und Landungen. Als Hauptmotiv gilt das "Weg-von", das Reisen als Flucht aus dem Alltag in den Gegenalltag, und nicht das" Hin-zu". Eine Kritik der Kritik am Massentourismus nimmt E. Aschenbrenner vor. Seiner Ansicht nach müssen auch die gesellschaftlichen Ursachen und Hintergründe und nicht nur die Folgen des Reisens berücksichtigt werden. Er fordert unterstützende Bildungsarbeit für Touristen. M. Trensky liefert bekannte Stichworte einer Neuorientierung. Im Sinne der Wahrnehmung einer gemeinsamen Zukunftsverantwortung spricht er von Mitweltpolitik anstelle von Umweltpolitik. Für eine Beschränkung in der Reiseentscheidung bringen Klingenberg/Aschenbrennereinige Beispiele. Die Grenzen des Wachstums werden angesichts von 124,1 Mio. Reisen im Jahr 1989 deutlich. "Der Tourismus zerstört, was er sucht, indem er es findet." W. Koeppen nennt fünf Kriterien eines Prinzips Verantwortung: menschen- und demokratiegemäß, ökologisch, soziale- und internationale Verträglichkeit. Die Umsetzung solcher Prinzipien soll in Unterricht und Erwachsenenbildung propagiert werden. Gefordert sind der Verzicht auf schnelle, kurzfristige und einseitige Bedürfnisbefriedigung, Rücksicht auf die Belange von Mensch und Natur sowie die Übernahme von Verantwortung nicht nur für die Motive des Handelns, sondern auch für dessen Folgen. 

Wende im Tourismus. Vom Umweltbewusstsein zu einer neuen Reisekultur. Hrsg. v. Karl-H. Klingenberg ... Stuttgart: Evang. Arbeitskreis Freizeit-Erholung-Tourismus in d. EKD, 1991. 196 S., DM 14,-1 sFr 11,901 öS 109,20