Gilda Sahebi

Verbinden statt spalten

Ausgabe: 2026 | 2

In ihrem Buch „Verbinden statt spalten – Eine Antwort auf die Politik der Polarisierung“ wirft die Autorin Gilda Sahebi einen kritischen Blick auf Debatten, die uns schon lange beschäftigen. Sie analysiert Gegensätze wie Rechts gegen Links, Ehrgeiz gegen Faulheit, Krieg gegen Frieden sowie Richtig gegen Falsch und warum wir diese Diskussionen im Licht von Machtstrukturen reflektieren müssen. Dabei kommt sie zu dem Schluss, dass es eine gemeinsame Gesprächsbasis braucht, um die Hürden der vermeintlichen Spaltung zu überbrücken. Nicht mit dem Ziel, die Meinungslandschaft zu homogenisieren, sondern um der für Demokratie notwendigen Diskussionen produktiven Raum zu geben und das Ziel einer geeinten Gesellschaft nicht aus den Augen zu verlieren.

Sahebi beginnt ihre Auseinandersetzung damit, über Kulturkämpfe zu sprechen. Sie macht hier klar, dass diese immer auf einer affektiven Polarisierung basieren. Dabei handelt es sich um eine Form der Polarisierung, die nicht unterschiedliche Haltungen, Meinungen oder Werturteile in den Vordergrund stellt, sondern sich auf die emotionale Einstellung zueinander fokussiert. Eine Person ist dann stark affektiv polarisiert, wenn sie gegenüber einer Gruppe sehr positive und gegenüber einer anderen Gruppe sehr negative Emotionen ausbildet. Dieser Zustand wirkt sich auf die Einschätzung anderer wie eine Mauer aus: Sie wächst in die Höhe, erschwert den Blick hinüber und orientiert sich entlang einer Linie, die die Richtung der eigenen Zuordnung vorgibt.

An diese Definition anschließend, wendet sich Sahebi einer anderen Frage zu und überlegt, warum solches Gruppendenken eigentlich so verbreitet ist. Die Antwort findet sie unter anderem bei der Politik. Einfache Narrative zu pflegen, um scheinbare Identifikationsuniversalien zu generieren, ist ein altbekanntes Muster im öffentlichen Diskurs. Sie macht dabei auch auf Studien aufmerksam, die eine Verzerrung der menschlichen Empathiefähigkeit mit der längeren Ausübung von mächtigen Positionen in Verbindung bringen.

All das bringt sie schließlich zu einer Konklusion, die in ihrer Aussage gehaltvoll, in ihrer Formulierung scheinbar naiv und in ihrer Umsetzung dennoch äußerst anspruchsvoll ist: Wir müssen es uns erhalten, dass wir miteinander reden können, sonst verdrängt erdachte Einfachheit die Komplexität der Realität.