Ganz anders als die Mitarbeiter des zuletzt besprochenen Bandes „Unternehmensethik“ (Hg.: Horst Steinmann) handeln die in der industriellen Umweltberatung tätigen Autoren hier über die Aussichten der Versöhnung von Ökonomie und Ökologie. Die Paradigmen der Industriegesellschaft sind nachweislich im Wandel begriffen. Schien die Maxime immerwährenden Wachstums an Größe und Gewinn zu Lasten der scheinbar uneingeschränkt verfügbaren Ressourcen lange Zeit vertretbar, die Einwände der Naturschützer zwar unangenehm, aber letztlich doch ignorierbar zu sein, so beginnt sich die' Lage heute grundlegend zu ändern. Konnten Vertreter von Industrie und Natur Erfolge bisher nur auf Kosten der anderen Seite erzielen, so gibt es heute - zumindest im Prinzip - keinen Grund mehr für Unversöhnlichkeit. Die Einsicht, daß eine gesunde Umwelt und eine gesunde Wirtschaft einander bedingen, führt zu neuen Allianzen, die - so stellt sich heraus - für alle Seiten von Vorteil sind. Wie die Autoren nachwiesen, sind einerseits prominente Umweltschützer wie George Pritchard von Greenpeace dazu übergegangen, mit der Industrie zusammenzuarbeiten; auf der anderen Seite entdecken langfristig planende Unternehmen mehr und mehr daß ökologische Orientierung auf Dauer die einzig mögliche, und überdies noch gewinnbringend ist. So hat beispielsweise ,,3 M einer der führenden amerikanischen Konzerne, sich die Philosophie der "drei p“ - Pollution Prevention Pays - zu eigen gemacht, und steht mit dieser Einsicht nicht allein. In gut recherchierten, den angestrebten Optimismus vorzüglich vermittelnden Berichten, die man gewissermaßen als "grüne Industriereportagen" bezeichnen könnte, wird beschrieben, wie Firmen, teils aus Schaden klug geworden, teils aus rein ökonomischen Überlegungen umweltverträgliche Verfahren erproben und Produkte erzeugen. Die britischen Unternehmen ICI oder Rolls Royce zählen ebenso dazu wie IBM, Glaxo, Dow Chemical Canada, Bayer oder Bechtel. 

Skeptikern mag manches zu wohlwollend und vorbehaltlos positiv beschrieben sein, und selbstverständlich wird es auch weiterhin die kompromißlosen Warner und Kämpfer für die Anliegen der Natur geben müssen. Aber man wird durchaus sagen können, daß die "grüne Sonne" einer ökologisch orientierten Industrie erste wärmende Strahlen spendet.

 

Elkington, John; Burke, Tom: Umweltkrise als Chance. Ökologische Herausforderung für die Industrie. Zürich (u.a.): Füssli, 1989.247 S.